Die Hoffnungen auf einen Frieden im Jemen sind weiter gewachsen. König Feisal von Saudi-Arabien hat Präsident Nasser in einem Brief aufgefordert, die neuesten Friedensvorschläge anzunehmen, die von Stammeshäuptlingen aus dem südarabischen Staat unterzeichnet wurden.

Mehr als zweihundert Vertreter der Royalisten und der Republikaner hatten sich in der Sommerresidenz König Feisals in Taif zu einer Friedenskonferenz versammelt. Sie einigten sich über den Abzug der 50 000 ägyptischen Truppen, die bisher die Republikaner unterstützt haben.

Der Jemen soll zum muselmanischen Staat proklamiert werden, der in einer Übergangszeit von einem hohen Rat geleitet wird, dem Vertreter der beiden verfeindeten Parteien angehören. Nach dem Rückzug der Ägypter soll das Volk über die künftige Staatsform – Königreich, Imamat oder Republik – abstimmen. Dieses Friedensdokument wurde auch von einem Onkel des entthronten Imam und von einem prominenten Vertreter der Republikaner unterzeichnet. Präsident Sallal hat jedoch das Abkommen noch nicht anerkannt, da er die nach Taif gereisten Republikaner als Überliufer verdammt hat. Zum größten Teil waren die beteiligten Republikaner Anhänger des früheren Ministerpräsidenten Nooman, der vor einigen Wochen von Präsident Sallal entmachtet wurde.

Sallals Schutzherr Nasser ist offensichtlich kriegsmüde geworden. Dafür zeugen die Artikel seiner Presse, die plötzlich die Amerikaner beschuldigt, sie wollten die ägyptisch-saudi-arabischen Gespräche sabotieren. Versteckt findet sich auch schon der Hinweis, die Ägypter müßten wegen der Bedrohung durch Israel den Jemen räumen.