Das Mißtrauen der öffentlichen Meinung gegen die Bundeswehr und deren dadurch ausgelöster Minderwertigkeitskomplex sind natürliche Folgeerscheinungen der Weimarer Zeit, die erst allmählich abklingen werden. Das hat sich auch wieder bei der Ernennung eines Generals zum Leiter der Personalabteilung im Bundesverteidigungsministerium an Stelle eines zivilen Ministerialdirektors gezeigt. Daß das Offizierskorps aus Prestigegründen einen Offizier auf diesem Posten wünscht, sollte uninteressant sein, maßgebend aber ist die Zweckmäßigkeit.

Mein verstorbener Kollege Arnold Bergsträsser und ich hatten in einer Denkschrift über den Aufbau des Bundesverteidigungsministeriums vom Juli 1953 vorgeschlagen, daß die Personalabteilung von einem Offizier geleitet sein sollte. Nur ein Offizier, und zwar ein Offizier hohen Ranges, der die Funktionen aus eigener Erfahrung und Anschauung genau kennt, vermag die Qualifikation von Offizieren zu beurteilen. Wer nicht selbst längere Zeit Richter war, könnte schwerlich die Personalangelegenheiten der Richter im Justizministerium bearbeiten. Im preußischen Kultusministerium ist in der Regel entweder der Leiter der Hochschulabteilung oder der Personalreferent selbst Hochschullehrer gewesen. Im Auswärtigen Amt ist gegenwärtig meist ein Außenseiter – kein Diplomat – Leiter der Personalabteilung.

So achtbar die Motive sind, daß diese heikle Aufgabe in einer so intrigenreichen Behörde, wie es das Außenministerium nun einmal war und ist, um der Neutralität und Unabhängigkeit willen von einem Außenseiter wahrgenommen werden solle, so ist es doch eine Fehlbestellung. Einem Kommunalbeamten oder Richter – mag er noch so klug sein – fehlen mangels eigener Praxis die Beurteilungskriterien für den diplomatischen Dienst.

Nach Bergsträssers und meinem Vorschlag sollte der Leiter der Personalabteilung nicht dem Generalinspekteur unterstehen, sondern, diesem nebengeordnet, dem zivilen Staatssekretär unterstellt sein. So ist die Organisation auch heute. Allerdings war unter Hassels Vorgänger (mit dessen Duldung und Förderung) die Stellvertretung des Staatssekretärs als Vertreter des Ministers – was eine Überordnung über die Militärs bedeutete – zeitweise umstritten. Eine entscheidende Voraussetzung dafür, daß der Leiter der Personalabteilung ein Offizier ist, ist die unbestrittene Stellvertretungsfunktion des zivilen Staatssekretärs. Daß jener nicht Personalpolitik nach eigenem Belieben oder nach Wünschen von Cliquen treibt, darüber müssen der Minister und sein Staatssekretär wachen. Aber sie haben Anspruch auf unmittelbare Beratung und Vorschlagsunterbreitung durch einen nach Herkunft und Ausbildung Urteilsfähigen.

Theodor Eschenburg