Der Schein trügt zuweilen. Am Dienstag legte der amerikanische Delegierte William Foster bei der Genfer Abrüstungskonferenz endlich einen "westlichen" Entwurf für einen Nonproliferationsvertrag auf den Tisch. Zum erstenmal in den drei Wochen seit Beginn der 17-Mächte-Konferenz erfuhr die Welt, wie sich die Westmächte einen Vertrag vorstellen, der die Weitergabe von Kernwaffen an Länder außerhalb des "Atomklubs" verhindern kann.

Tatsächlich aber wurde dieser Vertragsentwurf von den drei anderen westlichen Teilnehmern der Genfer Konferenz – Großbritannien, Italien und Kanada – nur formell gebilligt, obschon der ursprüngliche Text von den Engländern und Kanadiern stammte.

Bis vor kurzem noch war angenommen worden, daß der britische Abrüstungsbeauftragte Lord Chalfont das westliche Dokument vorlegen werde. Aber der Lord verzog sich in den Schmollwinkel, nachdem die Amerikaner auf einen Einspruch der Bundesregierung Deutschlands hin einen Passus gestrichen hatten, der den USA und England innerhalb einer NATO-Atomstreitmacht ein Vetorecht beim Einsatz von Kernwaffen zugestand.

Lord Chalfont ließ keinen Zweifel daran, daß sich sein Land jeder Regelung widersetzen will, die es der Bundesrepublik mit Hilfe eines Mehrheitsbeschlusses innerhalb einer MLF/ANF erlaubte, die Angelsachsen zu überstimmen.

Kanada erwartete vergebens eine atomare Garantie für jene Länder wie Indien, Schweden und andere, die schon bald imstande sind, eigene Kernwaffen herzustellen: Damit das Monopol der fünf Atommächte nicht zu erdrückend bleibt, sollten sie zunächst einma ihre eigenen Bestände reduzieren.

Die Differenzen unter den Westmächten wurden nicht überbewertet, da das sowjetische Nein von vornherein feststand. Semjon Zarapkin sprach vor einem "Witz". Dieser Entwurf taugte nicht einmal als Diskussionsgrundlage Die Sowjetunion beharrt auf einer Garantie, daß die Bundesrepublik weder direkt noch indirekt bei der Kontrolle über Atomwaffen ein Mitspracherecht erhält Dem Bonner Abrüstungsbeauftragten Schnippenkoetter hatte Zarapkin schon vorige Woche unmißverständlich klargemacht, daß Gedanken an ein Tauschgeschäft in Sachen Wiedervereinigung ab wegig sind. Das deutsche Problem lass sich nur lösen, wenn Bonn die Existenz zweier deutscher Staaten anerkenne.