Die wichtigste Aufgabe dieses Ausschusses ist die Lösung eines der kompliziertesten Probleme des kalten Krieges, des Wettrüstens und der zunehmenden Gefahr der Weiterverbreitung von Kernwaffen. Aber statt sich seiner Aufgabe zu widmen, statt alles in seiner Macht stehende zu tun, um die Spannungen des kalten Krieges zu mindern, hat sich dieser Ausschuß seit seinem Zusammentritt am 27. Juli vorwiegend mit der Führung eines eigenen kalten Krieges befaßt...

Ich halte es für erforderlich, die zur Zeit innerhalb des westlichen Bündnisses erörterten Vorschläge für die atlantische Atomstreitkraft noch einmal ins rechte Licht zu rücken. Sie enthalten keinerlei Elemente der Verbreitung von Kernwaffen, und was meine Regierung betrifft, wird dies auch nie der Fall sein. Ich erwarte zwar nicht, daß die Sowjetunion in ihrer derzeitigen Stimmung dieses Argument akzeptiert, doch muß jedem vernünftigen Menschen einleuchten, daß die ANF weder der Bundesrepublik noch irgendeinem anderen Mitglied des westlichen Bündnisses auch nur ein Gran mehr Macht einräumen würde, den Einsatz von Kernwaffen anzuordnen, als sie im Augenblick besitzen. Der Vorschlag bedeutet, daß jene nichtatomaren Länder im westlichen Bündnis, die an den neuen Regelungen teilhaben, zwar das Recht erhalten, die Zündung einer Kernwaffe zu "verhindern", nicht aber, sie anzuordnen. Dieses Prinzip dürfte der Sowjetunion nicht unbekannt sein, es ist das Prinzip ihres alten Freundes, des Vetorechts, wie es im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ausgeübt wird ...

Ich möchte – er möge es mir verzeihen – den polnischen Delegierten, Herrn Lobodycz zitieren, um zu zeigen, daß er selber offenbar nicht unbedingt behauptet, daß die ANF die Verbreitung von Atomwaffen zum Ziel habe. Er erklärte – ich zitiere –, daß die Errichtung der MLF/ANF mit Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland den aggressivsten politischen Kräften in Deutschland in ihrem hartnäckigen Drängen auf Zugang zu Atomwaffen Vorschub leisten würde. Ein derartiger Schritt würde diese Kräfte ermutigen und ein Ausgangspunkt für ihre fortgesetzten atomaren Ansprüche sein. Die Befürchtung scheint also nicht darin zu bestehen, daß die ANF selber die Verbreitung von Atomwaffen ermöglicht, sondern daß Westdeutschland atomare Ambitionen hat, die die ANF nicht erfüllen wird ...

Ich glaube, ich sollte klarstellen, daß die britische Regierung in jedem Falle energisch die Beschuldigung zurückweist, die in diesem Zusammenhang gegen die Regierung der Bundesrepublik erhoben wurden. Es muß darauf hingewiesen werden, daß kein anderer Staat so weit gegangen ist, auf die Herstellung atomarer, bakteriologischer und chemischer Waffen auf seinem Staatsgebiet zu verzichten. Kein anderer Staat ist derselben militärischen Gefahr ausgesetzt, die von den zahlreichen in der Sowjetzone Deutschlands stationierten Divisionen der Warschauer Paktstaaten und den Hunderten von Mittelstreckenraketen droht, die von westrussischen Basen aus auf die Bundesrepublik gerichtet sind. Es ist der Regierung der Bundesrepublik hoch anzurechnen, daß sie es im Angesicht einer solchen Bedrohung vorgezogen hat, im atlantischen Bündnis Sicherheit zu suchen und an den nunmehr geplanten Projekten atomarer Beteiligung innerhalb der NATO teilzunehmen, statt ein eigenes Atomwaffenprogramm durchzuführen.