Angst und bange wird mir. Anscheinend ist es bald wieder soweit. Man tut gut dran, mit allem, auch dem Schlimmsten, zu rechnen. Täglich? Stündlich! Die Vorbereitungen laufen offenbar schon auf vollen Touren. Manche beruhigt das. Andere wiederum scheinen mehr zu wissen, als sie sagen. Ob man sie mal fragt? Etwa die Personalstelle der Stadtwerke Bremen? Die schrieb neulich ihren Betriebsangehörigen: "Wir benötigen im Hinblick auf einen evtl. u. k. Stellungsantrag von Ihnen die Angabe, ob Sie einen Einberufungsbefehl für den Verteidigungsfall in Händen haben. – Senden Sie dieses Blatt bitte unverzüglich an die Personalstelle zurück!"

So eilig hat man’s dort. Immerhin: Man kann sich wieder "Unabkömmlich" stellen lassen. Also wird es auch im nächsten Krieg wieder Front und Heimat geben. Ein Trost. Dann wird es wohl wieder nur so wie letztes Mal. Ungemütlich – aber irgendwie kommt man schon durch.

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Um mich noch nervöser zu machen, schickt mir der Kollege Ansgar Skriver eine Aufklärungsschrift von "Staatl. Fachingen". Auf den ersten Blick: Harmlos, unverdächtig, ja, wohltuend. Versorgt den Körper mit Hochleistungsspurelementen. Ist gut für den Stoffwechsel. Schmeckt gut. Erfrischt. Unbegrenzt lagerfähig. "Und daher gut zur Bevorratung für den Ernstfall geeignet, wie sie vom Amt für Bevölkerungsschutz empfohlen wird."

Wegen des "Ernstfalles" hat der Kollege inzwischen dort angefragt. Ob man im Ernst der Meinung sei, man sollte Fachingen im Keller haben, wenn das Fall-outverseuchte Leitungswasser ungenießbar geworden ist. Oder ob man die Lagerung für den Fall vorschlägt, daß die Firma ein Opfer des Ernstfalls geworden sei. Gewisse Verkehrsschwierigkeiten und so.

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Manche sind jetzt fein raus. In den zwei Wochen, die Bonn als nächste Kriegsdauer anscheinend vorschweben, kann man manches brauchen. Und sich manches vom Amt für Bevölkerungsschutz empfehlen lassen. Mühle- und Schachbretter zur Beruhigung der Nerven. Jede Menge Schlaf- und Beruhigungsmittel. Musik für Kopfhörerempfang, vorzugsweise was Vorklassisches. Aber auch: "Musik, um dabei zu träumen." Kosmetische Artikel. Es ist so wichtig, sich angesichts der Bombe nicht gehen zu lassen! Kameras für ein paar Erinnerungsphotos aus schwerer Zeit. Ein Buch mit "Tausend Witzen". Jetzt schon an die Bücher für den Schutzraum denken! Ewas Gemütvolles. Vielleicht Wiecherts "Einfaches Leben". Möglichst nichts mit Sex, das bringt zuviel Unruhe in den Keller. Schreibpapier. Für Erlebnisberichte – wenn man’s überlebt. Auch sonst. Briefumschläge?