In dieser Woche prägte Herbert Zimmermann den unvergeßlichen Satz: "Am Wochenende werden sich die Tennis-Asse teilen" und gab damit den Zuschauern Gelegenheit, sich einen Kampf zwischen Bungerts Beinen und Budings Rumpf auszumalen. In dieser Woche schnellte der Schauspieler Epskamp seine amerikanisch-breiten Hosenträger aus dem einzigen Grund klatschend gegen das Hemd, um dem Satz: "So, du willst also nach Boston, mein Junge" Nachdruck zu geben.

In dieser Woche sollten im gleichen Stück, Und nicht mehr Jessica, Frau Trooger und Herr Naumann ein Ehepaar beim Frühstück darstellen. Statt sich aber die Marmelade schmecken zu lassen, sprachen sie Text; statt – sagte ein erfahrener Regisseur an meiner Seite – das Schweigen, die Pausen zwischen Satz und Satz: die Gedanken zu artikulieren, beschränkte sich das Paar auf die schrille Wiedergabe unbeholfener Sätze; statt sich bei Kaffee und Butter dem small talk anzuvertrauen und, wie es erfahrene Eheleute nun einmal zu tun pflegen, in Abbreviaturen zu sprechen, du weißt ja schon, bitte, ergänze den Rest nach Belieben‚ mimte man, am Neckermann-Tisch hautnah vereint, zwei Fremde, die einander aus den Zimmerecken mit Stentorstimme ihre Lebensgeschichte erzählen.

In dieser Woche sprachen, wiederum im gleichen Stück, die Angehörigen der oberen Stände, neuenglischer Herkunft zumeist, ihr Bühnenhochdeutsch, während der schwarze Zugschaffner seinen Part mit amerikanischem Akzent intonierte: Hätte er berlinert, wäre es stilecht gewesen. Doch wie sollte man Stil von einer bearbeiteten Bearbeitung erwarten, deren Maximen auf der Ebene von "jeder hat Angst vor irgend etwas, vorm Leben, vorm Sterben" lagen, wie Profil und Führung von einer Regie, die alle Schauspielerschwächen mit penibler Akkuratesse enthüllte? "Dieses ganze Theater", hieß es beim Frühstück, "es ist wirklich zum Kotzen": Wie wahr, wie wahr, meinte der Regisseur neben mir.

In dieser Woche durchsetzten die Mainzer ein vortrefflich gebautes, pointensicheres Lustspiel, Bush-Feketes als Jean etikettierte Maßkonfektion, mit jämmerlich getexteten Chansons und zwangen die Mimen, glänzend Pfitzmann und Schroth, mitten im Text innezuhalten und, actus comicus interruptus, läppische Liedchen zu singen.

In dieser Woche berichteten Erstes und Zweites Programm, wie in den Wochen vorher, über Vietnam im UFA-Jargon. Kommentatoren vergleichen Saigon mit Berlin (werden sie eines Tages auch Ky und Erhard miteinander vergleichen?), Flugzeuge heulen, Kolonnen marschieren, männliche Stimmen beschwören den Krieg.

Wie wäre es, wenn einmal eine Frau die Bluttexte spräche – könnte es nicht sein, daß wir aufmerksamer würden und das Entsetzen nicht als gar so selbstverständlich hinnähmen wie jetzt?

Momos