"Französische illustrierte Bücher des 18. Jahrhunderts" (Schloß Ludwigsburg): Die Ausstellung zeigt einen Teil der Bibliothek Hans Fürstenbergs. Der Sammler hatte seine Bücher in den dreißiger Jahren nach Frankreich gerettet und 1938 die Kollektion an deutscher Literatur der Klassik und Vorklassik der Pariser Nationalbibliothek gestiftet. Die Sammlung illustrierter französischer Werke ist jetzt zum erstenmal öffentlich ausgestellt. Es handelt sich um rund 300 Bücher in seltenen und kostbaren Ausgaben, an denen die Gourmets unter den Bibliophilen sich enthusiasmieren. Kupferstiche in Probedrucken, vor und nach der Überarbeitung, "enthüllte" Künstlerdrucke, fertige Illustrationskupfer, auch die Vorzeichnungen zu den Illustrationen sind häufig mitausgestellt. Viele Bücher haben noch die zeitgenössischen Originaleinbände. Aber diese Bücherschau ist nicht nur ein bibliophiles Ereignis. Sie repräsentiert auf vollkommene Weise die gesamte Kunst der Epoche, weil sich einerseits die großen Maler selbst als Illustratoren betätigt haben: Boucher und Fragonard sind in den kleinen Kupfern mindestens so stark und konzentriert wie in ihren Gemälden. Und das Werk von Watteau, der selber nicht illustriert hat, erhielt durch die Arbeit der Kupferstecher eine potenzierte Breitenwirkung. Andrerseits hat keine Epoche sich so umfassend in der Buchkunst gespiegelt wie das französische Rokoko. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich bei den Texten um literarische Neuerscheinungen von Prévost, Rousseau, Diderot und Voltaire handelt oder um Werke der überlieferten Weltliteratur. Denn auch Homer, Horaz, Longus, Boccaccio, La Fontaine werden im Sinne des Rokoko interpretiert, galant, geistvoll, frivol. Jede Art der Literatur diente den Illustratoren dazu, das Selbstgefühl ihres Jahrhunderts im Kleinformat des Kupfers, das dem Diminutiv-Format ihrer Gefühle, ihrer Passionen entsprach, zu projizieren. Einige Höhepunkte in diesem Ensemble von Virtuosen: Bouchers Kupfer zu Molière, die Tasso-Ausgaben von Gravelot und Cochin, Eisens Illustrationen zu La Fontaine. Die Ausstellung dauert bis zum 20. September.

  • "Les Voyages – Bellegarde und Brüning" (Düsseldorf, Galerie Niepel): Die Maler Peter Brüning und Claude Bellegarde zeigen "dualistische Collagen", die sie während einer Urlaubswoche am Rhein als team work angefertigt haben. Ein seltenes und gelungenes Experiment. Ihr Thema ist die rheinische Landschaft.

Das sieht wie eine Landkarte aus, Eisenbahnlinien, Knotenpunkte, Straßen, Flüsse, die kartographischen Zeichen für Wald, Heide, Sumpf. Zerfetzte Generalstabskarten werden mit stark farbigen Papierstreifen kombiniert und mit fahrigen Lineamenten und kurvenden Farben übermalt. Unter Ausschaltung aller lyrisch emotionalen Momente wird Landschaft auf ein topographisches Gerüst reduziert, statt "schöner Gegend" nüchterne Summierung von Fakten.

Speziell für Brüning, der sich in seiner informellen Manier festgefahren hatte, bedeuten diese "kombinierten Topogramme" einen bemerkenswerten neuen Ansatz. – Die Ausstellung, dauert bis Ende August.

"Ludwig E. Ronig" (Köln, Lempertz Contempora): Das Contempora-Programm in Kunsthaus Lempertz ist nicht auf aktuelle Strömungen speziell in der amerikanischen Malerei eingestellt, wie man das zunächst erwartet hatte. Auf den kürzlich verstorbenen Carlo Mense folgt – bis zum 28. August – eine Retrospektive für den Kölner Maler Ludwig E. Ronig (1885–1959). Ronig hat in der kirchlichen Kunst des Rheinlands eine Rolle gespielt, viele seiner Glasmalereien sind in Zusammenarbeit mit Dominikus Böhm entstanden. Weniger bekannt sind seine Bilder, die bei Lempertz in einer Auswahl von 80 Gemälden der Jahre 1912 bis 1959 zu sehen sind. Am interessantesten sind die Arbeiten aus den zwanziger Jahren, Stilleben in Braun und Ocker, hart konturierte "gläserne" Bildnisse, eine sehr bemerkenswerte Verbindung von Sachlichkeit und magischem Realismus. Gottfried Sello