Die alte Regel, wonach eine Preisbindung auf die Dauer nur funktioniert, wenn der vom Hersteller befohlene Endverbraucherpreis mit dem Markt halbwegs in Einklang steht, und die Handelsspanne nicht allzu viel Luft läßt, hat sich wieder einmal bestätigt. Diesmal auf dem Sektmarkt.

Die renommierte und auf ihren guten Ruf seit jeher besonders bedachte Sektkellerei Henkell hat die Preisbindung für ihre Erzeugnisse von heute auf morgen aufgegeben, nachdem sie offensichtlich in die Brüche gegangen war. Nicht ohne gutes Zureden des Bundeskartellamtes, mit dem die Firma seit längerem im "Gespräch" war. Vornehm, wie die Sektkellerei Henkell nun einmal ist, hat sie nicht abwarten wollen, bis sie durch ein offizielles Mißbrauchsverfahren ins Kartell-Gerede gekommen wäre. Die Tatsache, daß sie gleichzeitig die Erzeugerabgabepreise um fünf Prozent erhöht hat, zeigt, wo der Hund begraben lag, eben in einer allzu weitherzig bemessenen Handelsspanne.

Es hat keine zwei Tage gedauert, bis auch die Sektkellereien Matheus Müller und Söhnlein nachgezogen und die Preisbindung gleichfalls aufgehoben haben. Die Firmen Kupferberg und Deinhardt werden es sich kaum leisten können, dem Vorbild ihrer Konkurrenten nicht zu folgen. Prosit, zu deutsch: Es möge nützen! Den Erzeugern wie den Verbrauchern! wb