Sie taucht wieder

Im letzten Jahr bewegte die Schweizer wochenlang die Frage: Wird sie nun wie ein leichter Korken auf dem Wasser schwimmen bleiben, oder wird es ihr gelingen zu tauchen? Es handelte sich um die damalige Hauptattraktion der Schweizerischen Landesausstellung (Expo) in Lausanne, um das weiße, langgestreckte Touristen-Unterseeboot "Auguste Piccard", oder auch "Mesoscaph" genannt. Nach vielen Mühen gelang es ihr, endlich in die Tiefen des Lac Léman herabzustoßen. Jetzt scheint sie den richtigen Dreh gefunden zu haben, denn von jetzt an stellt sie sich an drei Tagen in der Woche in den Dienst der Touristen und geht mit ihnen vor Lausanne in die Tiefen des Genfer Sees.

Kein Platz für Fremde?

Sie haben alle ihren angestammten Platz in der bayerischen Dorfkirche: die reichen Bauern, die armen Bauern, das Gesinde, die verheirateten und unverheirateten Frauen, selbst die unehelichen Mütter und gefallenen Jungfrauen bekommen Bänke zugewiesen. Alle? Der Feriengast, der am Eingang des Dorfes zum Kirchenbesuch aufgefordert wird, sucht oft vergeblich nach einem freien Platz in der Hierarchie der kirchlichen Sitzordnung. Das stellte jetzt die evangelische Landjugend in ihrer Zeitschrift "Das neue Dorf" fest; sie wendet sich gegen die längst überfällige Tradition der sozialen Rangordnung im Gotteshaus. Ob die Kritik erfolgreich ist, bleibt abzuwarten. Vorläufig müssen Ortsfremde entweder auf den Kirchenbesuch verzichten oder darauf hoffen, daß die bayerischen "Ureinwohner" ein wenig zusammenrücken.

Es grünt so grün

Das Westberliner Verkehrsamt hat auf Grün geschaltet. Das heißt, dem Berlin, das doch immer Berlin bleibt, das Attribut "Stadt an Wald und Wasser" beigefügt und einen Prospekt herausgegeben, der dem Großstadtbesucher behilflich sein soll, es zu entdecken. Als Spaziergänger beispielsweise im Tiergarten, Grunewald oder auf der Pfaueninsel, aber auch als erholungssuchender Feriengast auf einem der ländlichen Campingplätze in Kohlhasenbrück oder Kladow. "Er kann um 12 Uhr im Wannsee baden und um 12.30 Uhr am Kurfürstendamm sein Mittagessen einnehmen. Er kann um 9 Uhr früh in der Havel angeln und um 10 Uhr eine Ausstellung am Funkturm besichtigen ... Die Verbindung von Großstadt und ländlicher Idylle scheint unübertrefflich. Allerdings vergaß man den Feriengast daraufhinzuweisen, daß er sich an den Wochenenden besser in die Stadt zurückziehe, denn an Sonn- und Feiertagen sieht selbst der findige Berliner "vor lauter Mensch kein Grün" mehr.

Ferien beim Scheich

Der Urlaubsmöglichkeiten sind viele: Es gibt die Campingwelle, die auch diejenigen erfaßt, die sich einen komfortablen Hotelaufenthalt gut und gern leisten können; es existiert der Club Méditerranée, der kreuzbrave Franzosen im Urlaub veranlaßt, Baströckchen zu tragen; und wir wissen von dem Vorschlag amerikanischer Reisebüros, die Ferien als Beinahe-Cowboy auf einer echten Ranch zu verbringen mit der Versicherung, daß dem Farmer beim Eintreiben der Herden geholfen werden dürfe. Das DER-Reisebüro kommt dem Wunsch ihrer zivilisationsmüden und wohlhabenden (denn "Natürlichkeit" kostet Geld) Kundschaft nach Ursprünglichkeit noch mehr entgegen. Es bietet als neueste Attraktion Ferien bei Beduinenscheichen. Sonderreisen führen mit dem Flugzeug nach Tunis und von dort weiter mit einem Kraftfahrzeug in den Süden des Landes. Am Salzsee Schott el Djerid schließt sich der "Sonderurlauber" einer Kamelkarawane an, lebt wie die Nomaden in Zelten – "mit Wasser aus dem Wassersack, mit den Händen zu essenden Kuskus, Zwiebeln, Knoblauch und völlig alkoholfrei Ein gesundes Leben fürwahr, auch wenn der Drang nach Natürlichkeit zu einer Drangsal ausartet... Noch steht das Ferienprogramm "als Gast bei den Steinzeitmenschen in Australien oder den Kopfjägern in Neu-Guinea" aus.