Die Zukunft beginnt mit kleinen Schritten

Von Hildegard Hamm-Brücher

Der Kultusminister des Saarlandes war zur Zeit meines Besuches noch der Rangälteste der Bundesrepublik; er war sein eigener Ministerpräsident. Das hatte den Vorteil, daß Dr. Franz Joseph Roeder sich die Richtlinien seiner Politik gleich selber bestimmen konnte, und das hatte den Nachteil, daß sein Amtssitz im "schmalen Handtuch" (so heißt das saarländische Kultusministerium, früher französisches Generalkonsulat, im Volksmund der Taxifahrer) zwar nicht gerade kopflos, aber doch ein wenig verwaist wirkte. Wenn es dort nicht ein paar tüchtige und selbständige Leute gäbe – an der Spitze den weitgereisten, gebildeten und sprachkundigen Ministerialdirigenten Arnold –, man müßte noch schwärzer sehen für die saarländische Kulturpolitik, wozu man ja im Land der Kohle und der traditionellen Konfessionalisierung ohnehin neigt.

Aber ganz so einfach liegen die kulturpolitischen Dinge auch wieder nicht, und in mancher Hinsicht war mein bildungspolitischer Streifzug ergiebiger, als ich vermutet hätte.

Das Saarland ist die kleinste, jüngste und abgelegenste pädagogische Provinz der Bundesrepublik, und wenn man dazu bedenkt, daß sie noch vor wenigen Jahren zu den zurückgebliebensten, hinterwäldlerischsten und konfessionell unbeugsamsten zählte, dann lassen sich in der Mitte des Jahres 1965 rechtschaffene Fortschritte nicht verkennen.

Das bildungspolitische Tauwetter hat im Saarland eher begonnen als in den anderen katholischen Bundesländern; dafür setzte es nicht so plötzlich ein und nicht so spektakulär wie beispielsweise in Bayern; andererseits fehlte den bildungspolitischen Vorstellungen die intellektuelle Einsicht eines Professor Mikat, nicht zu reden von seinem zehnteiligen kulturpolitischen Bankkonto.

Und trotzdem: Verglichen mit den Startbedingungen und der mittlerweile sehr beschleunigten Gangart der großen Länder, hat das Saarland ganz tapfer aufgeholt. Im Augenblick sieht es in der positiven Bilanz etwa so aus: Der Schulbau ist durch drei fest umrissene Bauprogramme gut vorangekommen. Besonders schön geraten sind diese neuen Schulen allerdings nicht – wie sich im Schulhausbau überhaupt ein ziemlicher Stumpfsinn aus Beton, Glas und daraus resultierenden schauerlichen Klimaverhältnissen eingebürgert hat.