Dreißig junge Sowjetbürger sollten auf Einladung des Hamburger Vereins Christlicher junger Männer die Bundesrepublik besuchen. Die Gastgeber ließen das Bundesverteidigungsministerium wissen, sie hielten es für nützlich, wenn die Gäste sich mit jungen Offizieren der Bundeswehr unterhalten und am "lebendigen Beispiel" etwas vom neuen Geist innerhalb der Bundeswehr erfahren könnten.

Minister von Hassels Beamte hielten das offenbar nicht für nützlich. Die Gesprächserlaubnis wurde verweigert – "solange eine freie Diskussion von Bürgern der Bundesrepublik mit Angehörigen der Roten Armee nicht möglich ist".

Da wird immer wieder die Überlegenheit "unserer freiheitlichen Ordnung" wortreich bekundet, aber wenn es darum geht, die – historisch gewiß nicht ganz unberechtigten – Vorurteile von dreißig jungen Russen wenigstens ein bißchen zu korrigieren, dann tut kleinlicher Bürokratensinn das Seine, diese Vorurteile zu bestätigen.

Auch die Beamten in Höcherls Innenministerium haben diesen Besuch nicht gerade gefördert. Das Visum wurde spät, zu spät erteilt. Inzwischen haben die Russen abgesagt – oder präziser: haben ihre Reise in die Bundesrepublik einstweilen verschoben.

Ob das aber nun an Hassel lag, oder ob das nun an Höcherl lag, ist nicht gewiß ... H.G.