Unser Kritiker sah:

DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL

DIE GÄRTNERIN AUS LIEBE

Von Wolfgang Amadeus Mozart

Salzburger Festspiele

Die Festspiele in Salzburg greifen zu recht über das Oeuvre Mozarts hinaus. Doch bildet eine maßstäbliche Mozart-Pflege den bedeutendsten Teil der Salzburger "Idee". Zwei Aufgaben stellen sich immer von neuem: durch Einsatz für den "unbekannten Mozart" die Reduzierung eines unermeßlichen Lebenswerks auf "Meisterwerke" zu verhindern, ferner eine im 19. Jahrhundert abgerissene Aufführungstradition durch einen Mozart-Stil zu ersetzen, der historisch legitimiert und modern formuliert ist. Beide Bereiche sind im diesjährigen Festspielprogramm mit je einer Neuinszenierung vertreten.

Viel versprach man sich vom italienischen Meisterregisseur des Piccolo Teatro di Milano, von Giorgio Strehler. Tatsächlich schuf sein Bühnenbildner Luciano Damiani für die "Entführung" im Kleinen Festspielhaus ungewöhnlich aparte Szenerien: silber-blaue Pastellkulissen für das Bassa-Schloß, zwischen denen als Bühnenhintergrund eine weiße, raffiniert beleuchtete Wand die Unendlichkeit des Meeres abstrahierte. Davor wirkten die witzig pointierten Türkenkostüme wie Teile einer bewegten Farbzeichnung. Verblüffend zunächst auch Strehlers Hauptgag: In der unbeleuchteten Rampenzone, wo die meisten Arien gesungen wurden, schrumpften die Körper der Sänger zur Fläche, zu Schattenrissen zusammen. Daß damit eine musikalische Konzentration erreicht werden könnte, erwies sich bald als Trugschluß.