Die Textilindustrie gehört zu den Wirtschaftsbereichen, die in hochindustrialisierten Länder nur unterdurchschnittlich wachsen. Die deutschen Produzenten haben dazu noch ihre liebe Not, sich bei der liberalen deutschen Zoll- und Einfuhrpolitik gegen die Konkurrenz preiswerter ausländischer Textilien, vor allem aus Fernost, zu behaupten. Ein großer Teil der Branche hat sich in den vergangenen Jahren den Anforderungen, die in dieser Lage an sie gestellt wurden, nicht gewachsen gezeigt. Trotzdem sollte man sich hüten, alle Unternehmen über einen Kamm zu scheren.

Eines der Unternehmen im Textilbereich, das keinen Grund hat, in den allgemeinen Klagechor einzustimmen, ist die Girmes-Werke AG, Oedt bei Krefeld. Während der Umsatz der Girmes-Gruppe 1963 um über 17 Prozent zunahm, wurde im vergangenen Jahr eine weitere Steigerung um 15,8 Prozent erreicht. Im Organbereich stiegen die Erlöse von 141 auf fast 159 Millionen und unter Einschluß der anderen in- und ausländischen Beteiligung erreichte der Umsatz 176 Millionen Mark. Demgegenüber konnte die Textilindustrie insgesamt ihren Umsatz nur um acht Prozent ausdehnen (Vorjahr 2,3 Prozent). 60 Prozent des Absatzes der Girmes-Gruppe entfallen auf die Bekleidungsindustrie.

Der Konzern, der seinem Umsatzvolumen nach den vierten Platz unter den deutschen Textilproduzenten einnimmt, verdankt sein überdurchschnittliches Wachstum in erster Linie dem Auslandsgeschäft; denn während im Inland der Absatz nur um acht Prozent zunahm, stiegen die Exporte um mehr als 19 Prozent. Ihr Anteil am Gesamtumsatz erhöhte sich dementsprechend von 37 auf fast 40 Prozent.

Die breite Streuung der Auslandsinteressen – die Girmes-Gruppe besitzt Niederlassungen in den USA, der Schweiz, Kanada, Nigeria und Australien – hat sich bewährt. Die Exportquote erhöhte sich trotz politischer Schwierigkeiten mit den Ländern des Nahen Ostens und trotz des britischen Sonderzolls auf Importe,

Die Aktionäre des Unternehmens haben allen Grund, mit dem Geschäftsjahr 1964 zufrieden zu sein: zum drittenmal erhalten sie Gratisaktien. Das Grundkapital wird ebenso wie im Vorjahr aus Gesellschaftsmitteln um drei auf 21 Millionen Mark aufgestockt. Auf das erhöhte Kapital wird ebenfalls wieder eine Dividende von 16 Prozent verteilt. Dies entspricht einer Gesamtausschüttung von 35 Prozent auf das bisherige Kapital (Vorjahr 39 Prozent).

Die Aktien des Unternehmens liegen zu etwa 60 Prozent in festen Händen. Etwa ein Prozent wird von Betriebangehörigen gehalten. Der Rest verteilt sich auf eine größere Zahl Kleinaktionäre darunter viele Kunden. Wer diese Papiere vor zehn Jahren erworben hat, erhält heute eine Effektivverzinsung von 20 Prozent.

Wie gut auch im vergangenen Jahr verdient wurde, zeigt sich daran, daß die Gratisaktien auch diesmal wieder nicht zu Lasten der freien Rücklagen ging, die mit unverändert 10,5 Millionen jetzt genau die Hälfte des Grundkapitals betragen. ju