Von Walther Weber

Obwohl in der Bundesrepublik von Jahr zu Jahr mehr Automobile von den Bändern rollen, werden die deutschen Reifenfabrikanten nicht recht froh. Die Motorisierungswelle hat mehr ausländische Kautschukverarbeiter angelockt, als den einheimischen Herstellern lieb ist.

Alle Großen dieser Welt haben in den vergangenen Jahren auf dem deutschen Markt Stellung bezogen: die fünf Giganten aus den USA: Goodyear, Firestone, Goodrich, US Rubber und General Tire sowie die großen Europäer: der britische Dunlop-Konzern, die italienische Pirelli-Gruppe und Michelin aus Frankreich.

Nun sind nur noch zwei rein deutsche Hersteller übriggeblieben, nachdem die Gummiwerke Fulda und die Veith-Gummiwerke im Odenwald in ausländische Hände übergegangen sind. Allein die alteingesessenen Continental Gummi-Werke in Hannover und die expansiven Metzeler Werke AG in München sind fest in deutschen Händen und trutzen der internationalen Offensive.

Denn der mögliche dritte im Bunde, die Phoenix-Gummiwerke AG in Hamburg-Harburg, hat sich bereits 1949 zu einer Ehe mit dem zweitgrößten Kautschukverarbeiter der Welt, der Firestone Tire & Rubber Company aus Akron (Ohio), entschlossen. Ein Viertel des Kapitals, die Hälfte des Markennamens und ein großer Teil der Erfahrungen der Phoenix stammen heute aus der Neuen Welt.

Das Management hingegen ist deutsch. Wie sehr, das beweist ein Satz im Geschäftsbericht über das vergangene Jahr: "Der Reifenmarkt stand ganz allgemein im Zeichen scharfen Leistungswettbewerbs, aber leider auch aggressiver Versuche ausländischer Firmen, im Bewußtsein ihrer Kapitalmacht rasch eine Vergrößerung ihrer Marktanteile zu erzwingen."

Schließlich kann man diese Kritik auch an die Adresse des eigenen Großaktionärs verstanden wissen, der sich in seinem Jahresbericht ausdrücklich zur beanstandeten Verhaltensweise bekennt: "Mit unseren modernen Anlagen und unserem aggressiven Verkaufsprogramm sowie unserem gut ausgebildeten und begeisterungsfähigen Personal sind wir in der besten Lage unserer Geschichte, alle sich uns bietenden Vorteile und Chancen ausnutzen zu können."