Wir werden erst auf dem nächsten Wahlaltar geopfert werden", erklärte kürzlich Vorstandsmitglied Dr. Wilhelm Büchle vom bundeseigenen VIAG-Konzern. Zugunsten der VEBA ist die VIAG noch einmal davongekommen, und da sich die Bundesregierung nur in Wahljahren bemüht, Bundesvermögen an private Sparer zu verkaufen, hat die VIAG also nochmals vier Jahre Zeit, ehe sie eine Publikumsgesellschaft werden kann. Als Volksaktien-Aspirant genießt dieser Konzern, der vielseitige Interessen in der Elektrizitätswirtschaft, in der Elektrochemie und unter anderem auch in der Stahlindustrie hat, schon heute mehr Beachtung als in früheren Jahren. Das gilt nicht nur für die seit Jahren konstante Dividende von 10 Prozent, die der Bund als Alleinaktionär auf das Grundkapital der Gesellschaft in Höhe von 254 Millionen Mark kassiert. Immerhin ist die VIAG-Gruppe mit mehr als 75 Prozent an der Aluminiumproduktion der Bundesrepublik, mit etwa dem gleichen Anteil an der Kalkstickstoffproduktion, mit mehr als 40 Prozent an der Stromerzeugung aus Wasserkraft und mit etwa 12 Prozent an der deutschen Braunkohlenförderung beteiligt. Der Konzernumsatz betrug im vergangenen Geschäftsjahre 1,6 Milliarden Mark. Das ist ein durchaus attraktives Unternehmen, das auch bei Kleinaktionären Anklang finden könnte.

Sein besonderes Ansehen erhält: der Konzern vor allem durch seine größte Tochter, der Vereinigten Aluminium-Werke AG (VAW), die sich als größter Aluminiumproduzent der Bundesrepublik trotzdem einiges einfallen lassen muß, um ihre Position auf einem anerkannt heftig umkämpften Markt zu halten. "Wir stehen im internationalen Wettbewerb mit großen Gesellschaften, gegen die wir, was unser Kapital und unseren Umsatz anbetrifft, nur ein kleiner Fisch sind", erläuterte VIAG-Vorstandsmitglied Dr. Karl Röhrs die gegenwärtige Situation.

Nachdem nunmehr zwei amerikanische Aluminium-Erzeuger – Kayser und Reynolds – mit eigenen Produktionsstätten in der Bundesrepublik Fuß gefaßt haben, hat sich die VAW-Verwaltung mit der kanadischen Alcan (Aluminium Limited, Montreal) zusammengetan, um auf gemeinsame Rechnung ein neues Großwalzwerk im Anschluß an das VAW-Rheinwerk bei Neuß zu bauen. Das sei von der wirtschaftlichen Idee her eine geradezu ideale Sache, heißt es dazu im VAW-Vorstand, der etwaige Vermutungen, daß die VAW auf diese Weise ins Schlepptau eines amerikanischen Konzerns’ geraten könne, weit von sich weist. Das neue Walzwerk soll 1967 in Betrieb gehen, auch die Kapazität soll zu jeweils 50 Prozent den beiden Partnern zur Verfügung stehen. nmn