Die Investitionstätigkeit der westdeutschen Industrie lag im vergangenen Jahr, gerechnet zu Preisen von 1958, um etwa sechs Prozent unter dem Rekordstand des Jahres 1961. Statt 18,8 Milliarden Mark wie vor vier Jahren gaben die Industrieunternehmen nach vorläufigen Berechnungen im vergangenen Jahr 17,7 Milliarden Mark aus, um ihre Anlagen zu erweitern, zu rationalisieren und instand zu halten. Damit ist der Anteil der industriellen Investitionen an den gesamten Investitionen im Bundesgebiet von einem Viertel auf ein Fünftel zurückgegangen. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen war jedoch unterschiedlich, wie unsere Wochengraphik zeigt, die nach Berechnungen des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung gezeichnet wurde. So hat der Bergbau infolge der geringeren Nachfrage nach Kohle und Erzen die Anlageinvestitionen kräftig von 1,6 auf knapp 1,3 Milliarden Mark drosseln müssen. Mit einem Anteil von nur noch 7,2 Prozent an den gesamten industriellen Investitionen ist der Bergbau längst nicht mehr eine so bedeutende Investitions- und Konjunkturstütze wie in früheren Jahrzehnten. Die Eisen- und Stahlindustrie dagegen hat ihre führende Stellung behaupten können. An Bedeutung stehen ihr die expansiven Chemieunternehmen heute kaum nach. Zusammen bestreiten beide Branchen über ein Viertel der industriellen Anlageinvestitionen. Der Fahrzeugbau läßt einen eigenwilligen Investitionsrhythmus erkennen. Perioden des hektischen Kapazitätsausbaus folgten Jahre der langsameren Gangart. Seit Jahren rückläufig sind die Investitionen des Maschinenbaus, bei dem nach der großzügigen Erweiterung der Anlagen die Rationalisierung im Vordergrund steht. Oft überschätzt wird die Bedeutung der mineralölverarbeitenden Gesellschaften; der Anteil ihrer Investitionen erreichte 1964 noch nicht drei Prozent der Gesamtinvestitionen in Höhe von knapp achtzehn Milliarden Mark.