Auf den Plakaten in Frankreich heißt es: "Mettez un tigre dans le moteur!" Der Unterschied zur deutschen Fassung besteht also darin, daß dort ein Tiger in den Motor gesetzt wird, während hier der Tiger in den Tank gepackt wird. Aus welchem Grunde ein und dieselbe Benzin-Werbung so verschieden abgefaßt wurde, darüber würde man gern die Erklärung aus dem Munde der erfolgreichen Slogan-Erfinder hören. Handelt es sich um Psychologie? Oder kommt es auf den sprachlichen Rhythmus an?

"Pack den Tiger in den Tank!" klingt zweifellos energischer als die französische Variante. Zwar ist in jedem Falle der Tiger das Symbol geschmeidiger Kraft. Aber ob er bei unseren lieben Nachbarn dans le moteur oder bei uns in den Tank gerät – es ist in beiden Fällen, wie mir scheint, ein grausames Verfahren. Drüben tritt er die Kurbelwelle wie das Eichhörnchen das Rad im Käfig; hüben wird er plitschenaß, wenn er im dunklen Tank nicht gar ersäuft. Der arme Tiger!

"Pack den Willy in den Tank!" In dieser Weise wurde der Tiger-Spruch für unsere Wahlzeit abgewandelt, so daß man den Eindruck hat, als wollten Leute, denen es. vier Jahre lang, nämlich eine ganze Parlamentszeit hindurch, ziemlich fremd war, sich um sprachliche Ausdruckskraft zu bemühen, in vier Wochen das Versäumte mit Gewalt nachholen. Nun denken sie plötzlich darüber nach, wie man zum guten Zweck "schlagende" Sätze formuliert.

Und wenn sie sich bei alledem nur auf den Dienst oder den Rat von "Werbe-Textern" beschränken würden ("Sicher ist sicher!") – aber nein, sie nehmen sogar Literaten und Poeten zu Hilfe, die dann im besten Falle doch bloß das tun können, was Goethe verächtlich "Wortchen ründen" nannte. "Wörtchen runden, das können sie ..."

Allerdings ist auch nicht anzuraten, sich gar keine Mühe zu machen, wie wir dies etwa bei der DFU-Werbung beobachten.

Sind Sie kein Atomtod-Gegner?, so fragen sie. – Na, klar! Denn so verrückt ist niemand, daß er den hinreichend bekannten Unfalltod nicht dem noch viel zu wenig erforschten Atomtod vorzöge. Und sind Sie etwa kein "Notstands-Gegner?"–Aber gewiß, denn "Notstand" ist etwas, was kein vernünftiger Mensch, gern leiden mag.

Solcher Primitivität der Propaganda hat die Gegenseite das "Bon mot" entgegengesetzt: "DFU – Die Freunde Ulbrichts". Gleichviel, ob etwelche Körnchen Wahrheit darin stecken – sehr witzig ist das nicht. Womit hier nur angedeutet werden soll, daß Sätze, die nur um des Effektes willen formuliert werden, nicht sonderlich hoch über dem Niveau der "DFU-Werbung" liegen,

Ein Vorschlag in Güte: Ob sie im Motor oder im Tank stecken, nehmt sie alle wieder heraus, mögen sie "Willy" oder "Ludwig" oder "Erich" heißen.