Innerhalb einer Epoche gibt es keinen Standpunkt, eine Epoche zu betrachten. Goethe

Ernst Krenek

In den zwanziger Jahren galt er als Bürgerschreck; er ist unter den Neuerern geblieben. "Jonny spielt auf" – "Karl V." – "Der goldene Bock"; "Lamentationes Jeremiae Prophetae" – "Spiritus sanctus intelligentiae"; die impressionistische 2. Sinfonie des Zweiundzwanzigjährigen – die Versuche mit musikproduzierenden Elektronenrechnern im Jahre 1965: Polare Gegensätze in Inhalt, Technik und Form bestimmen das gesamte Schaffen des Komponisten Ernst Krenek. Der gebürtige Wiener, Inhaber des Großen Kunstpreises von Nordrhein-Westfalen, wird am 23. August 65 Jahre alt.

Nicht für Russell

Die Vorstellungen darüber, ob und wie weit die Politik mit der Kunst verknüpfbar sein darf, gehen anscheinend nicht nur in der Bundesrepublik ein wenig durcheinander. Das Moskauer Bolschoi-Ballett, das die bundesdeutsche Ausladung wohl noch kaum vergessen haben dürfte, machte neue Erfahrungen in England. Das zur Zeit in London und später in der englischen Provinz gastierende Ensemble wollte nach Ablauf des offiziellen Tournee-Vertrages am 13. September in den Stadtsälen von Wimbledon ein einmaliges Gastspiel geben, dessen Einnahmen der Friedensstiftung des 93jährigen Philosophen und Pazifisten Bertrand Russell zufließen sollten. Das britische Außenministerium hat diese Vorstellung untersagt mit dem Hinweis darauf, daß das Gastspiel der Truppe im Rahmen des britisch-sowjetischen Kulturabkommens stattfinde und das Ensemble sich nicht in interne politische Probleme einmischen dürfe. Offenbar ist die Regierung der Meinung, daß die Friedensstiftung Russells politischer und strittiger Natur ist.

Nach Dallas