Prognose ist ein heikel Ding, besonders in der Autoindustrie. Wann immer in den vergangenen Jahren ernsthafte Experten ihre warnende Stimme erhoben, sie wurden von den Tatsachen der folgenden Jahre überrollt.

Und doch wagt sich jetzt zum ersten Male sogar und ganz offiziell der Verband der Automobilindustrie in seinem neuen Tätigkeitsbericht an ein solches Unterfangen. "Keine Prognose, nur eine Untersuchung", versucht Hauptgeschäftsführer Vorwig einzuschränken.

Nun, diese Untersuchung, die einen Ausblick jenes konjunkturbegünstigten Industriezweiges bis 1975 gewähren soll, enthält natürlich doch ganz handfeste, mit konkreten Zahlen behaftete Voraussagen. Bis 1975 werde sich der Autobestand auf deutschen Straßen von gegenwärtig 10 Millionen auf 17 Millionen Fahrzeuge erhöhen; die Autoproduktion – im letzten Jahre 2,91 Millionen Wagen – werde bis1972 auf 3,26 Millionen Einheiten steigen und dann stagnieren.

Den Vorständen der deutschen Automobilwerke muß ein kaltes Grausen den Rücken hochkriechen, wenn sie diese Zahlen lesen. Sollte sich dieser Ausblick verwirklichen, so würde bereits vom übernächsten Jahr an Deutschlands Autoindustrie in eine arge Überkapazität hineinschliddern. Allein die Kapazitätsausweitung der Adam Opel AG auf 1 Million Wagen reicht aus um schon 1967 die vom Verband für 1975, als Optimum angesehene Produktion zu erreichen. bo