Die Außenpolitik sollte nach dem Willen der Parteistrategen aus dem Wahlkampf ferngehalten werden. Aber den alten Wahlkämpfer Konrad Adenauer kümmerten solche Gebote nicht. Am vorigen Donnerstag, auf einer Wahlreise durch Westfalen, nahm er sich den Genfer Abrüstungsvorschlag der Amerikaner aufs Korn, dem noch am selben Tage Bundeskanzler Erhard öffentlich zugestimmt hatte. (Die USA hatten der Sowjetunion einen Vertrag vorgeschlagen, der die Weitergabe von Atomwaffen an andere Länder verbietet, der Bundesrepublik jedoch die Teilnahme an einer NATO-Atomstreitmacht offenhalten sollte.)

Einige der Kernsätze des Altbundeskanzlers lauteten:

"Das, was sich in Genf abspielt, ist eine Tragödie für uns Deutsche."

"Der amerikanische Plan ist so ungeheuerlich, so schrecklich, daß Europa damit den Russen überantwortet wird, auf die Dauer gesehen."

"Ich hoffe, daß sich niemals eine solche Regierung findet, die einem solchen Vertrag, wie er von den Amerikanern vorgeschlagen wurde, beitritt."

"Eine grauenvolle, gefährliche und grundfalsche Theorie."

"Das haben wir und das hat Europa bei Gott nicht verdient."