H., München

Große Freude bereitet es dem Urbajuwaren, wenn die Preußen einmal "getrazt" werden. Wenn zum Beispiel der Senator Max Kolmsperger aus München sieht, wie der Hotelportier in Hamburg sich etwas tiefer als sonst verbeugt, dann kichert der Kobold in der weißblauen Seele.

Ein Senator in Bayern ist etwas völlig anderes, als die Senatoren der Hansestädte. Bayern leistet sich als einziges Bundesland den Luxus einer zweiten Kammer. Wenn der Senat auch nur Gutachten liefert und seine Einsprüche gegen Gesetze meist ohne viel Federlesens vom Landtag überrollt werden, so rückt der von der Parteien Haß und Gunst kaum getrübte Blick der Senatoren die Probleme oft erst ins rechte Licht.

Von den vier Vertretern der freien Berufe ist vom bayerischen Journalistenverband Max Kolmsperger entsandt worden, der in diesen Tagen 75 Jahre alt wird. Er ist einer der letzten der aussterbenden Spezies weiß-blauer Politiker, die noch aus dem Königreich Bayern stammen. Ohne selber je eine Lederhose zu tragen, freut den "Maxe" dennoch die krachlederne Politik. Der sonst feinsinnige und kunstverständige Altbayer tritt für sie ein, wenn auch weniger lautstark als landesüblich.

Der Senator, dem Richard Strauss einmal das Skatspiel beibrachte und dessen Talente an der Orgel Max Reger förderte, trat für den bayerischen Verdienstorden ein, weil er darin "den vorletzten Rest bayerischer Souveränität im föderalistischen Bundesstaat" sah.

Zuweilen sinnt heute der letzte Überlebende des Stammtisches von Ludwig Thoma im Bratwurstglöckerl am Münchner Liebfrauendom darüber nach, ob es wohl richtig ist, was einmal der Minister Alois Hundhammer von ihm sagte: "Der Kolmsperger ist ein liberales Element."