Im Jemen werden die Waffen schweigen. Diesmal haben Gamal Abdel Nasser und König Faisal von Saudi-Arabien, die eigentlichen Kontrahenten im südarabischen Bürgerkrieg, Brief und Siegel darauf gegeben.

Nasser läßt sich von seinem Volk als Friedensengel feiern. Aber was die Kairoer Presse als tollkühnes "Kommandounternehmen", als "Pilgerfahrt des Friedens" ausgab, jene aufregende Reise des Präsidenten an den Hof seines Gegenspielers, war in Wirklichkeit ein Canossa-Gang. Nicht Nasser, sondern Faisal hielt die stärksten Trümpfe in der Hand, und es zeugt für das staatsmännische Format des Königs, daß er seinem Gegenspieler das so stürmisch begehrte Friedensgespräch sofort gewährt hat, anstatt ihn bis zur arabischen Gipfelkonferenz im nächsten Monat warten zu lassen.

Auf den ersten Blick ist Nasser der Verlierer. Er hat die besten Soldaten seiner Armee in einem aussichtslosen Partisanenkrieg verbluten lassen, die Finanzen seines Landes ruiniert und die Sympathien der meisten "Republikaner" im Jemen eingebüßt.

Aber so wie einst Heinrich IV. in Canossa seine politische Bewegungsfreiheit zurückgewann, hat sich auch Nasser mehr Spielraum verschafft. Amerika liefert wieder Weizen, und England und Frankreich, die Gegner aus der Suezkrise, zeigen sich versöhnungsbereit. Vor allem aber hat Nasser den Rücken frei, wenn sich der Streit mit Israel um das Jordanwasser zuspitzen sollte. K. H. J.