Die Existenz von intelligenten Marsbewohnern, kanälegrabenden, hochtechnisierten Übermenschen hielt man vor zwei Jahrzehnten immerhin noch für möglich. Neuere, noch von der Erde ans durchgeführte Untersuchungen reduzierten die Hoffnung, auf unserem Nachbarstern Leben zu finden, stark. Statt mit Zivilisationsgiganten Erfahrungen auszutauschen, stellten sich die Astronomen eine Mikrobenjagd mit dem Mikroskop vor. Mariner IV scheint nun auch diese Aussicht zunichte gemacht zu haben, wenn auch noch nicht ganz.

"Die Photos von Mariner IV zeigen, daß es auf dem Mars keine Ozeane gibt. Wahrscheinlich hat es dort auch nie zuvor größere Wasseransammlungen gegeben. Da nach unserer Ansicht Leben aber nur im Wasser und nicht in der Wüste entstehen kann, erscheint uns die Suche nach Lebensspuren auf dem Mars jetzt aussichtsloser denn je." Mit diesem Resümee unterrichtete Robert Leighton, Leiter der Mariner-IV-Unternehmung, Präsident Johnson über die Auswertung der Marsphotos.

Zehn Photos lassen insgesamt 70 Krater mit Durchmessern von 5 bis 120 Kilometern erkennen. Seltsamerweise sind die Ringwälle mit nur rund hundert Meter Höhe wesentlich niedriger als die des Mondes. Innen scheint ein Krater jedoch 4000 Meter tief zu sein. Alle diese Gebilde sind mehr oder weniger "gut erhalten", was auf beträchtliche Altersunterschiede schließen läßt. Analog zum Mond schätzt Dr. Leighton das Alter der Marsoberfläche auf zwei bis fünf Milliarden Jahre.

Die Verwitterungserscheinungen sind offenbar nicht viel stärker als auf dem Mond, wo lediglich der kosmische Staub- und Meteoritenregen eine geringfügige Einebnungstätigkeit verrichten. Eine Lufthülle, die auf der Marsoberfläche ebenso dünn ist wie bei uns in 20 000 Meter Höhe, vermag offenbar keine materiebewegenden Winde hervorzubringen.

Wolken wurden nicht identifiziert. Offenbar gibt es auf unserem Nachbarplaneten weder Regen noch Flüsse, allenfalls nur etwas Reif auf den weißen Polkappen. Auch dies erklärt, weshalb der Mars über Jahrmilliarden sein immer gleiches Mondgesicht behielt, während sich das Antlitz der Erde etliche Male wandelte.

Anhaltspunkte für erdähnliche Oberflächenstrukturen wie Gebirgsketten, große Täler, ozeanische Becken oder Kontinentalmassen konnten bislang nicht entdeckt werden. Das braucht jedoch nicht zu bedeuten, daß es auf dem roten Planeten überhaupt keine Gebirge gibt, denn auf dem Mond finden sich solche "Schrumpfungen" auch nur an sehr wenigen Stellen. Auf jeden Fall scheint die Marsoberfläche sehr viel schwächer zu "arbeiten" als die der Erde, wo sich im gleichen Zeitraum schon zahllose Gebirgszüge aufgetürmt haben und wieder eingeebnet worden sind.

Ungelöst blieb das Rätsel der sich im Rhythmus der Jahreszeiten schwach verändernden Farben der Marsoberfläche. An diesem Phänomen klammern sich gegenwärtig die letzten Hoffnungen auf einen belebten himmlischen Nachbarn.

Trotzdem hat sich nach dieser kosmischen Ernüchterung eine spürbare Lethargie der führenden NASA-Persönlichkeiten bemächtigt. In ihrem Bericht heißt es lakonisch: "Das Mariner-Programm ist nun beendet. Der nächste planetarische Versuch, Voyager, wird nicht vor dem Ende dieses Jahrzehnts gestartet." Vitus Dröscher