Amitai Etzioni: Der harte Weg zum Frieden. Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen. 262 Seiten, 7,80 DM.

Etzioni ist Professor für Soziologie an der Columbia-Universität; nach der vorliegenden Arbeit könnte man ihn auch für einen Politologen oder Militärtheoretiker halten. Carl Friedrich von Weizsäcker schickt dem kleinen Werk eine gescheite und souveräne Einleitung voraus. Er verschweigt nicht, daß er in manchem Werturteil mit Etzioni nicht übereinstimmt, aber er empfiehlt doch, seine Gedanken zu studieren. Der Leser, der dieser Empfehlung folgt, wird sie ihm danken.

Etzioni ist einer jener unabhängigen Köpfe, denen zu begegnen immer ein Vergnügen ist. Er hält die gegenwärtige Rüstungspolitik seines Landes für unvollkommen. Er glaubt nicht, daß sie auf die Dauer den Weltfrieden verbürgen kann. Ihm mißfällt auch, daß Amerika so viel Diktatoren zum Freunde hat, nur weil sie kommunistenfeindlich sind. Etzioni wünscht dagegen einen "Gradualismus"; damit meint er Schritte, die allmählich zur Abrüstung, zu einer sozialen Neuordnung der Völker und schließlich zu einer allgemeinen Weltfriedensordnung führen. Die Weltorganisation soll allein das Recht auf Rüstung haben. Das mag manchem utopisch erscheinen; aber was hat der Zweifler Besseres vorzuschlagen?

In einem Nachwort wendet sich Etzioni an uns Deutsche. Er sieht uns auf einem gefährlichen Wege. Es gefällt ihm nicht, daß die Bundesrepublik sich – wie er es sieht – so oft gegen amerikanische Vorschläge zur Rüstungsverminderung wendet. Er warnt uns vor den Folgen, die eintreten müßten, wenn die Kluft zwischen deutschen Forderungen und amerikanischer Politik noch wachsen würde. Unsere Wiedervereinigung müßten wir anstreben auf der Grundlage, daß die Sowjetunion weiter bestehen wird und daß man sie nicht herausfordern kann, ohne daß der Herausfordernde Selbstmord begeht. "Man kann kaum ein Freund Deutschlands sein, ohne zu hoffen, daß es seinen Kurs ändert." P. P.