Alan Wood: The true History of Lord Beaverbrook; Heineman Verlag, London; 352 Seiten, 42 s.

Ein Presselord verfügt nicht nur über politische, sondern auch über gesellschaftliche und persönliche Macht; und das Vergnügen daran, sie auszuüben, läßt ihn nie im Stich."

"Ein Presselord wird von seinen Redakteuren ständig zu jedem Thema um seine Meinung befragt; und seine Zeitungen trompeten diese Meinung täglich in die ganze Welt hinaus."

Diese beiden Sätze stehen im Mittelpunkt der Biographie eines Mannes, dessen Ansichten und Parolen jahrzehntelang immer wieder die Öffentlichkeit der ganzen Welt aufgeregt haben, der sicherlich weder der reichste noch der mächtigste Zeitungsverleger des letzten halben Jahrhunderts gewesen und der doch wie kein anderer geradezu ein Symbol für den Begriff des Presselords geworden ist: William Maxwell Aitken alias Lord Beaverbrook.

Der spätere Lord Beaverbrook wurde im gleichen Jahr wie Hitler geboren, als Sohn eines protestantischen Pfarrers in Kanada. Sein erster Ehrgeiz war, reich zu werden. Und ehe er dreißig Jahre alt war, hatte er dieses Ziel erreicht. Durch geschickte Handelsgeschäfte und Aktienmanipulationen gelang es dem Pfarrerssohn, sich in den damals noch sehr kleinen Kreis kanadischer Millionäre hineinzuschieben.

Als er reich war, gelüstete es ihn nach politischer Macht. Er ging nach Großbritannien zurück, wo sein Vater hergekommen war, wurde konservativer Abgeordneter, kaufte sich einen Landsitz, freundete sich mit Lloyd George, Bonar Law und Winston Churchill an, spielte eine bedeutende Rolle beim Sturz der Regierung Asquith im Dezember 1916 und hoffte, als Lloyd George die Regierung übernahm, auf eine Belohnung für seine Dienste in Gestalt eines Ministerpostens. Aber Whitehall mißtraute dem eingewanderten Kanadier. Lloyd George machte seinen dienstbereiten Helfer zum Lord und stellte ihn damit politisch kalt.

Erst jetzt, als der direkte und offene Weg zur politischen Macht fehlgeschlagen war, griff Beaverbrook zur Zeitung als einem indirekten Machtmittel. Er kaufte den "Daily Express", und zwar nicht nur, um damit Geld zu verdienen, sondern gleichzeitig in der Absicht, auf diese Weise politischen Einfluß auszuüben. Er steigerte die Auflage bis zu der phantastischen Zahl von vier Millionen und fügte ein Sonntagsblatt und eine Abendzeitung hinzu.