Von Uwe Nettelbeck

Mit den Beatles ist mehr in die Welt gekommen als ein gewisser Sound und die Mode, lange Haare zu tragen – eine zivile Aufsässigkeit gegen etablierte Übereinkünfte und Gepflogenheiten, gegen die allgemeine Wehrpflicht und die besondere Trostlosigkeit der Liverpooler Slums, gegen eingeschliffene Verhaltensnormen und verbriefte Tabus: John, Paul, George und Ringo sind die Götter einer Jugend, die lässiger geworden ist, unabhängiger, über den Mopedradau und die derbgeschnittenen Lederjacken, über blinde Proteste hinaus, auch friedlicher – in den neuen Kleidern rauft und randaliert es sich schlecht, Melancholie verträgt sich nicht mit Roheit.

Alle, die den Erfolg der Beatles ausschließlich als undurchsichtige Manipulation geschickter Manager mißverstanden hatten, haben sich spätestens von "A Hard Day’s Night", Richard Lesters, des Propheten, erstem Beatles-Film, belehren lassen müssen, von der sonderbaren Querköpfigkeit eines Werkes, das nichts als ein Hit werden sollte und doch viel mehr geworden ist – ein heiteres Manifest der Hoffnung auf mehr Freiheit, Charme und Poesie, eine Verteidigung absurder Clownerie gegen den Anspruch der Welt, aus einer scheinbar aussichtslosen Position. Trotzdem lag dieser Film genau auf der Linie der Fans, Lester hatte den neuen Ton ohne Schwierigkeiten getroffen. Wer damals glaubte, ein solcher Film könne gar kein Erfolg werden und müsse die Beatles-Gemeinde verbittern, hatte sich getäuscht.

Kurz vor dem zweiten Beatles-Film ist jetzt "Der gewisse Kniff" (The Knack and How To Get It) in der Bundesrepublik angelaufen, jener Film also, mit dem Lester auf den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes dank einer mutigen Jury über die gesamte dort angetretene alte Garde und manchen weit gewichtigeren Film triumphieren konnte: Selbst die synchronisierte deutsche Fassung mit ihren Bleigewichten an Wörtern, vermeintlichem Sinn und unbeabsichtigten Explikationen läßt noch ahnen, warum.

Es ist ein konventioneller Komödienstoff, den Lester diesmal zum Anlaß nahm, seine unverwechselbaren Arabesken zu formulieren: Colin, ein netter und sehr schüchterner junger Lehrer, hat Schwierigkeiten mit den Mädchen und beneidet seinen Untermieter Tolen, einen trägen Beau, um die vielen schicken Teenager, die diesem auf die Bude steigen. Alle Versuche Colins, Tolen nachzueifern, schlagen fehl; was er sagen will, bleibt ihm im entscheidenden Augenblick im Halse stecken, und er muß sich sogar von Tolen weismachen lassen, er nehme nicht genügend Proteine zu sich. Schließlich verfällt er darauf, die Schuld bei seinem winzigen Kistenbett zu suchen.

Ein Zufall verschlägt das Mädchen Nancy, die aus der Provinz nach London kommt, vorgibt, den Christlichen Verein Junger Mädchen zu suchen, aber fest entschlossen ist, etwas zu erleben, und Tom, der kein Braun vertragen kann, und, weil er alles weiß anstreicht, von einer Wirtin nach der anderen vor die Tür gesetzt wird, am gleichen Tag in Colins Haus. Mit Toms Hilfe, der den geschniegelten Tolen von Anfang an nicht leiden kann, gelingt es Colin nach vielem Hin und Her, Nancy zu erobern. Die Geschichte wird, so darf man hoffen, auf dem Standesamt enden.

Die offensichtliche Moral dieser Fabel ist von Lester allerdings auf den Kopf gestellt worden, die Synopsis täuscht, ernst zu nehmen ist hier nichts: "Der gewisse Kniff" ist keine Komödie mit Happy-End, sondern ein Nonsense-Film, ein zerstreutes Durcheinander voller Schnörkel und Wunderlichkeiten.