Die Sehnsucht nach Grund und Boden wächst. Nicht zuletzt als Folge der Diskussionen über den Kaufkraftschwund der Mark. Viele Sparer möchten mit ihrem Geld eine "Substanz" erwerben, von der sie meinen, daß sie über Jahrzehnte hinaus keinem Schwund ausgesetzt ist. Nach der großen Baisse auf den Wertpapiermärkten schadet die Aktie als begehrenswerte Substanzanlage für viele Sparer offensichtlich aus. Gegenwärtig geraten die Immobilienfonds in Mode. Sie ermöglichen es, auch kleinere Beträge im Hausbesitz zu investieren.

Immobilienfonds gibt es in zahlreichen Variationen. Der älteste deutsche Immobilienfond, ist der iii-Fonds, betreut von der Bayerischer. Hypotheken- und Wechsel-Bank und der Bayerischen Vereinsbank. Er arbeitet wie die Effektenfonds. Der Erlös aus dem Verkauf seiner Zertifikate wird in Hausbesitz und teilweise auch in Hypotheken angelegt. Die Erträge daraus werden als jährliche Ausschüttung an die Zertifikatsbesitzer verteilt. Der Vorteil dieser Anlage: Die Zertifikate sind jederzeit zu verkaufen, ihre Preise werden täglich veröffentlicht. Der Nachteil: Der Zertifikatsbesitzer kommt nicht in der Genuß der steuerlichen Abschreibungen des Einkommensteuergesetzes.

Dagegen kann der Inhaber der Hausbesitzbriefe der gewerkschaftseigenen Wohnungsbaugesellschaft "Neue Heimat" die erhöhten Abschreibungen voll für sich in Anspruch nehmen. Ei ist sozusagen eingetragener Miteigentümer eines Immobilienvermögens. Garantiert wird hier eine Jahresausschüttung von 5 Prozent, und zwar durch die "Neue Heimat". Dazu kommen die eben erwähnten steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten, die die gesamte Steuerlast des einzelnen mildern. In der Praxis wirkt sich das so aus, daß "gute" Steuerzahler die fünfprozentige Jahresausschüttung mehr oder weniger steuerfre kassieren können. Der Nachteil dieser Konstruktion: Nur der Erstzeichner kommt in den Genuß der erhöhten Abschreibungen, der Zweiterwerber dagegen nicht mehr. Es schweben zwar Verfahren mit dem Ziel, auch dem Zweiterwerber die steuerlichen Sondervorteile zu erhalten, aber niemand kann sagen, wie sie ausgehen werden Als vorsichtiger Sparer, der die Risiken voll in Rechnung stellt, hat man zunächst davon auszugehen, daß der Fall zum Nachteil der Zweiterwerber entschieden wird.

Einen anderen Weg ist die Bremer Treuhand Wohnungsbau GmbH mit ihrem Haus- und Bodenfonds gegangen. Die Zeichner erhalten eine feste (aber nicht garantierte) Verzinsung vor 5 Prozent, darüber hinaus wird noch ein Bewirtschaftungsüberschuß von 0,6 Prozent in Aussicht gestellt. Als weiterer Vorteil kommt, wie bei allen Immobilienfonds, der übliche Vermögenszuwachs hinzu, der dadurch entsteht, daß die Hypothekenschulden durch die Mieteinnahmen vor Jahr zu Jahr geringer werden. Auch beim Haus- und Bodenfonds gibt es Sonderabschreibungen, aber nicht für den Zweiterwerber. Der Nachteil bei dieser Lösung: Der Zweiterwerber muß 7 Prozent Grunderwerbsteuer entrichten.

Nun ist natürlich die Frage, ob ein Interessent auch unbedingt bereit ist, diese steuerliche Vorbelastung auf sich zu nehmen, zumal er ja gleichzeitig auf die Sonderabschreibungen (als Zweiterwerber) verzichten muß. Das ist eine Frage von Angebot und Nachfrage. So wie die Dinge augenblicklich stehen, braucht kein Sparer eine solche Last auf sich zu nehmen.

Sowohl bei den Hausbesitzbriefen der "Neuen Heimat" als auch beim Haus- und Bodenfonds wirft die Fungibilität der Anlage, das heißt ihre schnelle Verwertbarkeit, ernste Probleme auf. Für beide Arten gibt es keinen "Markt", auf dem täglich ihr Wert festgestellt wird. In beiden Fällen bestehen zwar gewisse Zusagen, beim Verkauf der Papiere Hilfestellung zu leisten, aber Garantien dafür existieren nicht.

Dieser kurze Überblick über die bisherigen Möglichkeiten, "in Immobilien zu sparen", war, meine verehrten Leser, notwendig, um die Chancen und Risiken eines neuen Immobilienfonds zu beurteilen, der sich "Treuhand-Fonds 7 Köln" nennt. Er wird herausgebracht von der Allgemeinen Immobilienfonds AG, Düsseldorf. Ihr Aktienkapital von gegenwärtig 0,75 Millionen Mark befinden sich in Händen der Vernon Holdings, der Finanzholding der Hamilton Cotton Company Ltd., Hamilton (Ontario/Kanada), die ins europäische Immobiliengeschäft drängt. Wie aus Veröffentlichungen bekannt geworden ist, war zunächst beabsichtigt, die Rheinische Girozentrale und Provinzialbank in Düsseldorf zu einem Drittel an der Aktiengesellschaft zu beteiligen. Dieser Plan hat sich jedoch inzwischen zerschlagen. Deshalb sucht die Aktiengesellschaft nunmehr Kontakt zu anderen deutschen Banken. Vorgesehen ist, das Aktienkapital auf 1 Million aufzustocken und davon 0,5 Millionen deutschen Privatbanken anzubieten. Vielleicht geht die kanadische Beteiligung eines Tages weiter auf 0,25 Millionen zurück. Aber das ist Zukunftsmusik. Noch hat sich keine deutsche Bank an diesem Unternehmen beteiligt.