England muß eine gewaltsame Hungerkur durchmachen, wenn die Pfundkrise überwunden und das wirtschaftliche Gleichgewicht wiederhergestellt werden soll. Zu diesem Ergebnis kommt das maßgebliche englische Konjunkturforschungsinstitut National Institute of Economic and Social Research. Trotz aller Bemühungen ist es bisher nicht gelungen, eine entscheidende Wende herbeizuführen. Die Handelsbilanz ist nach wie vor negativ, die Industrieproduktion liegt trotz der Importbeschränkung durch den Sonderzoll knapp unter dem Vorjahresstand.

Nach Ansicht des Institutes kann ein Ausgleich der Zahlungsbilanz – das einzige Heilmittel für das Pfund – nur durch eine deflatorische Politik erreicht werden. Dabei müsse man aber sowohl eine Arbeitslosenquote von 2,5 Prozent der Beschäftigten – das sind immerhin 500 000 Menschen – als auch dirigistische Maßnahmen, wie zum Beispiel die Einführung von Importkontingenter, in Kauf nehmen.

Der pessimistische Tenor dieses Berichts hat Wirtschaftsminister Brown veranlaßt, seinen Urlaub vorzeitig abzubrechen. Offensichtlich will er seinen Wirtschaftsplan für die Zeit bis 1970, der ein Wirtschaftswachstum um 25 Prozent vorsehen soll, so schnell wie möglich fertigstellen. Eines wird er dabei einkalkulieren müssen: den Preis für das jahrelange Über-die-Verhältnisse-Leben, für das Frankreich mit einer wirtschaftlichen Stagnation ebenso bezahlen muß wie Italien und das nach den Erfahrungen der letzten Monate auch in der Bundesrepublik mehr und mehr in Mode kommt. mh