Die teilnahmslos wirkende, kleine Frau mit den niedergeschlagenen Augen, dem Gatten, ihrem Herrn und Meister, immer in gebührendem Abstand von drei Schritten folgend, existiert nicht mehr. Jedenfalls in Tokios Straßen ist sie nicht mehr zu finden.

Die Emanzipation der Japanerin, die einst von ihrem Mann beherrscht wurde, reicht von Prinzessin Michiko, der Tochter eines Müllers, die eines Tages Japans Kaiserthron besteigen wird, bis zum Ladenmädchen und zur Arbeiterin in der Spinnwarenfabrik.

Diese Bewegung ist so stark, daß viele Ehemänner, die zugeben, schon zu Pantoffelhelden degradiert zu sein, sich in der "Kyosai-kai", in der "Angst-vor-unseren-Frauen-Gesellschaft" zusammengeschlossen haben.

Folgende Zahlen, die eine japanische Zeitschrift jetzt veröffentlichte und sich aus einer Meinungsumfrage ergaben, bestätigen überwältigend das Ende der männlichen Herrschsucht:

  • 92 Prozent aller Ehemänner lassen ihre Frauen auch über Käufe entscheiden, die mehr als fünfzig Mark kosten;
  • 85 Prozent aller Ehemänner putzen ihre Schuhe selber;
  • 82,4 Prozent aller Ehemänner machen sich vor dem Büro allein ihr Frühstück;
  • 63,2 Prozent aller Ehemänner bringen ihre Kinder in die Schule;
  • 74 Prozent aller Ehemänner hüten ihre Sprößlinge sonntags und in den Ferien, während ihre Frauen einkaufen gehen oder Besuche machen;
  • 75 Prozent aller Ehemänner benachrichtigen ihre Frauen, wenn sie beabsichtigen, nach 22 Uhr nach Hause zu kommen.

Und sieben von zehn Männern überlassen ihren Frauen das volle Monatsgehalt. Kein Zweifel, in der Gesellschaft Japans hat sich also eine entscheidende Veränderung aufgetan. Die meisten jungen japanischen Frauen tragen ihre Haare kurz, färben sie rot oder gar blond. Sie rauchen, essen und trinken in der Öffentlichkeit, fahren Autos und betätigen sich als Taxifahrerinnen, üben ihr Wahlrecht aus und bekleiden öffentliche Ämter, gehen zu Elternabendversammlungen, schließen sich politischen Aktions- und Religionsgemeinschaften an, organisieren Lobbys, die mächtig genug sind, um die in Japan traditionelle und legale Prostitution abzuschaffen, kritisieren Prominente und Minister und haben mit Erfolg für ein Gesetz gegen die Trunksucht gekämpft.

Mehr als ein Dutzend Frauen sind nach dem Krieg ins Parlament eingezogen, und viele halten diese Stellung immer noch. Die Frauen haben Streiks organisiert und durchgeführt, sie setzten sich gegen die Polizei zur Wehr.