• "Govert Flinck" (Kleve, Städtisches Museum): Als "Rembrandt-Schüler" ist Govert Flinck, der 1616 in Kleve geboren wurde, in der Kunstgeschichte registriert und gestempelt. Er war ein so vorzüglicher Schüler, daß seine Bilder bis heute mit denen des Meisters verwechselt werden. Viele Bilder, die als Rembrandts in den Museen hingen, mußten sich nach kritischer Prüfung mit dem bescheidenen Namen des Schülers zufriedengeben. Die Wissenschaft hat den Maler, der sie ungewollt hinters Licht geführt hat, mit dem Odium des ewigen Epigonen behaftet. Die Ausstellung in seiner Heimatstadt, mit Leihgaben aus zahlreichen europäischen Museen, hat die Absicht, dieses harte Urteil zu revidieren. Sie stützt sich bei der Auswahl und Kommentierung der Bilder weitgehend auf die Untersuchungen von J. W. von Moltke, der sich seit vielen Jahren speziell mit Flinck beschäftigt hat und in diesem Herbst eine Monographie mit komplettem Oeuvre-Katalog vorlegen wird. Zum mindesten für die frühen Bilder ist die Abhängigkeit von Rembrandt nicht zu bestreiten. Die vier Bildnisse, auf denen er Rembrandt gemalt hat, könnte man für Selbstbildnisse seines Lehrers halten. Nach einer neuen Version soll es sich aber um Selbstbildnisse von Govert Flinck handeln, ein geradezu einzigartiger Fall, daß der Schüler sich dem Lehrer nicht nur anpaßte, sondern sich vielmehr mit ihm identifizierte. Die Kinderbilder von 1640 dann zeigen eine kühle, distanzierte, gelassene Haltung, die eher an Frans Hals als an Rembrandt denken läßt. Vor den späten Porträts, etwa des Gerhard Hulft (aus dem Rijksmuseum) und des Großen Kurfürsten (aus Schloß Charlottenburg), vor allem vor seinen mythologischen Szenen erscheint es vollends müßig, nach Einflüssen zu fragen. Die verschiedenen Fassungen von "Merkur und Argos" sind hinreißend gemalt, die figurative Gestik ist, im Gegensatz zu Rembrandt, unabhängig von der psychischen Situation, auch die Tendenz, die Götter zu vulgarisieren, hat Flinck niemandem abgesehen. Die großen Historienbilder und religiösen Szenerien wirken reichlich konventionell, im Sinne eines Allerweltsbarock. Um so origineller sind die – ohne Auftrag entstandenen – Zeichnungen. Sein Werk demonstriert nicht die Problematik des Epigonen, sondern des Vielbegabten, der sich leicht enthusiasmiert und sich seiner selbst nie ganz sicher ist. Die Ausstellung der 46 Gemälde und 24 Zeichnungen dauert bis Ende September. Gottfried Sello