Um auf knappem Raum und zugleich in kompetenter Auswahl Hinweise auf die wichtigsten Neuerscheinungen des Schallplattenmarktes zu geben, wollen wir in jeder letzten Nummer des Monats eine Kolumne wie die hier Folgende bringen. Wir haben sie Dr. Lydia Schierning anvertraut: nicht nur wegen ihres weitgefaßten Interessenbereichs – sie studierte Kirchenmusik, promovierte über Orgel-Tabulaturen des 17. Jahrhunderts und beschäftigt sich mit dem musikalischen Problem der Segenwart – sondern auch, weil sie "von Amts wegen" mehr Schallplatten hört als selbst der eidenschaftlichste Sammler es sich wünschen – oder ertragen könnte. Als Mitglied der Musikabteilung des Norddeutschen Rundfunks ist sie vor allem für die sowohl künstlerische wie technische Qualität der dort auszuwählenden Schallplatten der "E-Sparte" (Ernste Musik) verantwortlich. Seit Monaten strahlt das Zweite WDR-Programm mittwochs ihre "Diskothek"-Sendereihe aus: "Schallplatten – kritisch gehört". Heute empfiehlt sie:

Georg Friedrich Händel: "Der Messias"; Leitung: Karl Richter; DGG 138 951/3, 75,– DM

Georg Friedrich Händel: "Der Messias"; Leitung: Otto Klemperer; Electrola SAN 146/48, 75,– DM

leiden Aufnahmen ist gemeinsam: ausgezeichnete Solisten und Chöre. Es unterscheidet sie: Textfassung und musikalische Konzeption. Richter bringt die deutsche Übersetzung – leider in der "gereinigten" Fassung aus dem "Dritten Reich", die inhaltlich und musikalisch oft widersinnig ist. Wer die musikalische Auslegung des geistlichen Textes sucht, mag sich nichtsdestoweniger an diese Platte halten. Eine sehr selten zu hörende Geschlossenheit gibt Klemperer dem Oratorium und dazu etwas von der alttestamentarischen Strenge und Würde, die dem Text des Werkes entspricht.

Ludwig van Beethoven: Klavierkonzerte Nr. 1–5"; Claudio Arrau, Concertgebouw Amsterdam, Leifung Bernhard Haitink; Philips AYK 1, 100,– DM Johannes Brahms: "Klavierkonzert Nr. 2 B-dur"; Claudio Arrau, Philharmonia Orchestra London, Leitung: Carlo Maria Giulini; Electrola SMC91 401, 25,– DM

Den bewährten Aufnahmen der Altmeister Backhaus und Kempff wird hier eine moderne Interpretation von Beethovens Konzerten gegenübergestellt. Für das Brahms-Konzert bedeutet Arraus Spiel: Souveränität beim Ausdruck gelassener Gedanklichkeit.

Felix Mendelssohn Bartholdy: "Streichquartette a-moll op. 13 und D-dur op. 44 Nr. 1"; Juilliard Quartett; CBS-Epic BC 1287, 25,– DM