Wie kommt man zu einer Eisenbahn, wenn man selber kein Geld hat und westliche Länder die Finanzierung als zu teuer ablehnen? Vor diesem Problem stand der afrikanische Staat Sambia.

Gegenwärtig ist Sambia darauf angewiesen, seine 700 000 Tonnen Kupfer mit der Eisenbahn durch Rhodesien zu transportieren. Da zu dem von einer weißen Minderheit regierten Rhodesien aber sehr gespannte Beziehungen bestehen, würde der Präsident von Sambia, Kaunda, es vorziehen, wenn er seine Exporte über das befreundete und benachbarte Tansania verfrachten könnte. Dazu ist eine Eisenbahnlinie notwendig, die das Land selber aber nicht bezahlen kann. Der Weltbank schien nach Prüfung des Projekts nur der Bau einer Straße vertretbar.

Weil Sambia sich nun aber einmal eine Eisenbahn wünschte, wandte es sich nach Peking. Die Chinesen sagten auch prompt ihre Hilfe zu. Zwar ist nicht ganz klar, woher sie die notwendigen eineinhalb Milliarden Mark nehmen würden; aber darüber brauchen sie sich gar nicht erst den Kopf zu zerbrechen. Denn kaum wurde der chinesische Plan bekannt, alarmierte London eilends die Regierungen in Bonn und Washington. Amerikanern und Engländern scheint es jetzt plötzlich sehr eilig, unter Einschaltung Bonns ein Eisenbahnkonsortium zu gründen.

Falls es bisher noch Entwicklungsländer gab, die das Patentrezept noch nicht kannten, mit dessen Hilfe man westliche Entwicklungsgelder auch für zweifelhafte Projekte in kürzester Zeit flüssig machen kann, so dürften ihnen jetzt endlich die Augen aufgegangen sein. ju.