Sechzig katholische Bischöfe Polens ziehen am Dienstag zu einer öffentlichen Festsitzung des Episkopats in den Breslauer Dom ein. Sie wollen jenes Tages vor zwanzig Jahren gedenken, als in den ehemals deutschen Ostgebieten eine polnische Kirchenverwaltung eingerichtet wurde. Aus diesem Anlaß haben Kardinal Wyszynski und die Bischöfe einen gemeinsamen Hirtenbrief an das polnische Volk erlassen, dem wir folgenden Auszug entnehmen:

"Die Menschen, die sich in diesen Gebieten zu einer neuen polnischen Gesellschaft vereinten, waren nicht nur körperlich ermattet, sie waren auch seelisch verwundet ... In diesen ersten Momenten der Unsicherheit und des Zweifels gab die Kirche – dank ihrer durch Jahrhunderte erprobten Organisation – konstruktive Elemente, die die stärksten Faktoren der Ordnung waren...

Die Päpste sandten durch Vermittlung des Primas von Polen zahlreiche Bischöfe in diese Gebiete, die Johannes XXIII. die ‚nach Jahrhunderten wiedergewonnene polnische Erde‘ nannte. In diesem Jubiläumsjahr wirken hier schon fünfzehn Bischöfe und mit ihnen viertausend Priester und Tausende von Ordensleuten ...

Im Gefühl des sichtbaren Eingreifens Gottes stehen wir heute lier und beharren auf dem einmütigen Standpunkt aller Kinder des polnischen Volkes, die ungeachtet ihrer politischen und weltanschaulichen Orientierung im Sinne der natürlichen Gerechtigkeit die Westgebiete untrennbar mit dem Mutterlande verbunden sehen. So denken und das bekennen wir! Wir geben dem privat und öffentlich Zeugnis, und wir sind sogar bereit, unser Leben zu opfern, für Ordnung und Ruhe, für das Zeichen der Gerechtigkeit, das der Gott der Liebe und des Friedens gab."