Es ist ein alter Streit, ob die Preisbindung der zweiten Hand, also der durch den Hersteller festgesetzte Endverbraucherpreis, im Endeffekt verteuernd wirkt. Die Markenartikelindustrie und ihre Interessenvertretung, der Markenverband, haben seit jeher bestritten, daß dies der Fall sei, ja, sie sind immer bemüht gewesen, nachzuweisen, daß sich die Preisbindung eher stabilisierend auswirke. An diesem Stabilisierungseffekt kann – nach den jüngsten statistischen Ermittlungen des Bundeskartellamtes – kein Zweifel mehr sein. Freilich in einem anderen als dem von der Markenartikelindustrie bisher behaupteten Sinne.

Anläßlich der Vorlage des Kartellberichtes konnte Präsident Günther den statistischen Nachweis dafür erbringen, daß in den Branchen, in denen die Preisbindung von Amts wegen aufgehoben worden oder von selbst zusammengebrochen ist, der Preisindex im Durchschnitt um 20 Prozent zurückgegangen ist: Auf dem Fernsehgerätemarkt fiel der Preisindex von 79,9 auf 60,3 (Ende 1964), auf dem Kühlschrankmarkt von 77,3 auf 68,7, auf dem Schokoladenmarkt von 91,8 auf 71,5 und auf dem Spirituosenmarkt von 96,2 auf 91. Solcher Rechenoperationen hätte es freilich nicht erst bedurft. Der "Stabilisierungseffekt" der Preisbindung ist offenkundig auf hohem, allzu hohem Niveau. wb