Der Sparer scheint des Wirtschaftswunders liebstes Kind zu sein, glaubt man den wohltönenden Worten, mit denen er von Politikern und Bankenwelt immer wieder bedacht wird. Wenns ans Zahlen – von Zinsen – geht, gibt sich die Kreditwirtschaft, wie sie im Zentralen Kreditausschuß zusammenkommt, allerdings weniger generös.

Zum zweitenmal in diesem Jahr hat dieser Ausschuß empfohlen, den Eckzins für Spareinlagen im Gefolge einer Diskonterhöhung nur um ein Viertel Prozent zu erhöhen. Einem vollen Prozent Diskonterhöhung seit Jahresbeginn ist der Eckzins also nur mit halbem Tempo gefolgt. Betrüblich ist vor allem die Haltung der gemeinnützigen Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Lediglich der Württembergische Sparkassen- und Giroverband hatte sich – außerhalb des Ausschusses – für einen Eckzins von 4 Prozent eingesetzt. Die Gründe, die der zentrale Kreditausschuß für seine Zurückhaltung fand, klingen wenig einleuchtend. Man wolle, so hieß es, bei der herbeigewünschten Zinssenkung am Kapitalmarkt nicht gleich wieder mit dem Eckzins herunter müssen. Nun, die Zinssenkung am Rentenmarkt hat gute Weile, und wenn sie überhaupt in Gang kommt, dann wird es wiederum eine Zeitlang dauern, bis das Zinsniveau wieder dort angelangt ist, wo eine Sparzinskorrektur nach unten erforderlich wird. Eine Rentenmarktrendite von 7,5 Prozent und ein Eckzins von 3 3/4 Prozent vom 1. Oktober an – das ist ein kurioses Verhältnis. hf