Als vor zwei Jahren Hans Zimmer bei seinem allmorgendlichen Lauf durch Königsteins Taunuswälder plötzlich tot zusammenbrach, begann für eine Reihe von jungen, bis dahin aufstrebenden Firmen eine harte Zeit. Geradezu kometenhaft war der Name Zimmer in der kurzen Epoche nach dem Kriege am Chemiehimmel hochgeschossen.

Der dynamische Ingenieur Hans Joachim Zimmer erkannte frühzeitig die große Zukunft der Synthesefasern – er baute 1949 seinen ersten elektrisch beheizten Schmelzeinsatz, der in Spinnsystemen für Polyamid-Fasern Verwendung fand. Zwei Jahre später entwickelte die Hans J. Zimmer Verfahrenstechnik, Frankfurt, ein komplett elektrisch beheiztes Schmelzspinnsystem. Das war der Ausgangspunkt für eine vielverästelte Unternehmensorganisation, die heute Weltruf besitzt.

Eines Tages, es war 1960, kam der Zeitpunkt, da die nach allen Seiten expandierende Zimmer-Gruppe – wie es eben bei Familiengesellschaften häufig der Fall ist – einen kapitalkräftigen Partner benötigte. Sie fand ihn in der Vickers Limited, London, jenem vielseitigen Konzern, der mit dem Bau von Schiffen, Flugzeugen, Motoren, Maschinen und Anlagen einen Jahresumsatz von 1,75 Milliarden Mark erzielt.

Unter gleicher Beteiligung wurde zunächst mit einem Kapital von 3 Millionen Mark die Hans J. Zimmer AG., Frankfurt, gegründet, die die Projektierung, die Konstruktion und den Bau von Anlagen übernahm. Der Hans J. Zimmer Verfahrenstechnik blieb die wahrlich nicht ertragreiche, aber bedeutsame Forschung und Entwicklung vorbehalten, für die etwa 10 Prozent des Umsatzes jährlich aufgewendet wurden.

Die Signale bei der Zimmer-Gruppe schienen, nachdem die junge Aktiengesellschaft ihre Anlaufsnöte überwunden hatte, auf „Grün“ gestellt – da starb der Chef, die zentrale Figur. „Eine höchst schwierige Lage war eingetreten“, gestand jetzt der Finanzdirektor von Vickers, R. P. H. Yapp. Den besten Ausweg habe man schließlich darin gesehen, daß Vickers alle Anteile übernahm.

„Schwierigkeiten in der Koordination technischer, personeller und auch finanzieller Belange traten auf, und das Fehlen einer gemeinsamen Lenkung aller Geschäftsbereiche wurde mehr und mehr deutlich“, ergänzte Aufsichtsratvorsitzer Dr. Klaus Dohrn von der Berliner Handels-Gesellschaft. „Im Mai dieses Jahres konnte schließlich ein Vertrag zwischen Vickers, der Hans J. Zimmer AG und dem Nachlaßverwalter unterzeichnet werden, der gewissermaßen einen Schlußpunkt hinter die sehr schwierige Überleitungsperiode setzte.“

Das waren bittere und offene Worte. Doch eine Konzentration und straffe Lenkung waren wohl notwendig geworden, um die Zimmer-Gruppe in eine bessere Zukunft zu retten. Gerade in der Forschung, heißt es, war so etwas wie „l’art pour l’art“ getrieben worden – jetzt wird, wie Dohrn betonte, eine „praxisnahe Forschung“ gepflegt.