Nach 20 Monaten ging in der vergangenen Woche in Frankfurt der Auschwitz-Prozeß zu Ende, das bisher längste Justizverfahren. Am 182. Verhandlungstag wurde über 20 Angeklagte das Urteil gefällt. Was Auschwitz war, dieser Ort des größten Massenmordes, schildern die Henker und ihre Opfer, deren Aussagen in Auszügen hier zusammengestellt wurden.

Rudolf Höss, der erste Lagerkommandant von Auschwitz, beschrieb in seinem Bericht "Meine Psyche" eine "Probevergasung":

"Stärker erinnerlich ist mir die Vergasung von 900 Russen im alten Krematorium, da die Benutzung des Blocks 11 zuviel Umstände erforderlich machte... Die Russen mußten sich im Vorraum entkleiden und gingen alle ganz ruhig in den Leichenraum, da ihnen gesagt wurde, sie würden da entlaust. Der ganze Transport ging gerade genau in den Leichenraum. Die Tür wurde zugeschlossen und das Gas durch die Öffnung hineingeschüttet. Wie lange diese Tötung gedauert hat, weiß ich nicht. Doch war eine geraume Weile das Gesumme noch zu vernehmen. Beim Einwerfen schrien einige ‚Gas‘, darauf ging ein mächtiges Brüllen los und ein Drängen nach den beiden Türen. Diese hielten aber den Druck aus.

Nach mehreren Stunden erst wurde geöffnet und entlüftet. Da sah ich nun zum ersten Male die Gasleichen in der Menge. Mich befiel doch ein Unbehagen, so ein Erschauern, obwohl ich mir den Gastod schlimmer vorgestellt hatte. Ich stellte mir darunter immer ein qualvolles Ersticken vor. Die Leichen waren aber durchweg ohne jegliche Verkrampfung Wie mir die Ärzte erklärten, wirkte die Blausäure lähmend auf die Lunge, die Wirkung wäre aber so plötzlich und so stark, daß es nicht zu den Erstickungserscheinungen wie zum Beispiel durch Leuchtgas oder durch allgemeine Luftentziehung des Sauerstoffes führe. Über die Tötung der russischen Kriegsgefangenen an und für sich machte ich mir damals keine Gedanken. Es war befohlen, ich hatte es durchzuführen. Doch ich muß offen sagen, auf mich wirkte diese Vergasung beruhigend, da ja in absehbarer Zeit mit der Massenvernichtung der Juden begonnen werden mußte, und noch war weder Eichmann noch mir die Art der Tötung dieser zu erwartenden Massen klar."

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1945 notierte der ehemalige SS-Oberscharführer Pery Broad in einem englischen Kriegsgefangenenlager seine Auschwitz-Erlebnisse, darunter auch die folgenden Folterszenen:

"Die Stapobeamten verschwanden mit den Holzgerüsten und den Häftlingen, die sie zuerst vernehmen wollten, im Innern der Baracke... Es dauerte nicht lange, da hörte man aus der Baracke das Brüllen der vernehmenden Stapoleute, das Gepolter umfallender Stühle und klatschender Schläge. Weithin schallten die furchtbaren Schreie der barbarisch gefolterten Unglücklichen... Es gab in Auschwitz nicht allzu viele, die die Bedeutung der Holzgerüste kannten. Eingeweihte wußten, daß es ‚Schaukeln‘ waren...