„Die Herren“ (Bundesrepublik; Verleih: Nora): Der Schlüsselroman von Angelika Schrobsdorff ist, es konnte nicht ausbleiben, von Rolf Thiele verfilmt worden; Alfred Weidenmann, der mit Thiele die Ahnungslosigkeit und den schlechten Geschmack gemein hat, und Georg Laforet haben sekundiert. Mit einem faden Ausfall gegen die Intellektuellen im allgemeinen und die Gruppe 47 im besonderen zettelt Thiele den Reigen an – die Dame Eveline verschlägts auf eine Tagung in Travemünde, einer, den man für Reich-Ranicki halten könnte, stellt ihr nach, aber ein anderer, der Blech heißt, einen Schnauzbart trägt und vom Programmheft als Verleger ausgegeben wird, macht das Rennen und Eveline ein Kind. Es folgen Rückblenden: Eveline als Teenager auf einer Bauernhochzeit, Eveline im Bett eines amerikanischen Besatzungssoldaten, Eveline als Geliebte eines sechzehnjährigen Adligen, Eveline als Frau eines impotenten Uhrenfabrikanten zu Zürich; Krieg und Nachkriegszeit tun das ihre, die Männer, die immer nur das eine wollen, besorgen den Rest. Platten Schlüpfrigkeiten ist das Alibi einer kritischen Attitüde aufgesetzt: Die Zwischentitel vor allem – Die Bauern, Die Soldaten, Die Aristokraten, Die Bürger – simulieren eine soziologische Genauigkeit, um die sich Thiele und Co. noch nicht einmal bemühen; dem folkloristischen Tableau vom derbsüßen Landleben und rückständigen Deflorationsritus fehlen die Bezüge zu irgendeiner Wirklichkeit ebenso wie den Schablonen vom zügellosen Besatzungssoldaten, vom schwachsinnig schwatzenden Hochadel und dem Geld-spielt-keine-Rolle-Industriellen. Die Geschichte des bundesdeutschen Nachkriegsfilms ist um eine Peinlichkeit reicher. U. N.