Peter Paul Althaus, der Dichter Schwabings, des berühmten, gelästerten, aber noch keineswegs von den Musen verlassenen Stadtteils, ist im 73. Lebensjahr gestorben. 1921 kam er, in Münster in Westfalen geboren, zum erstenmal nach München. Dort blieb er, von teils kriegsbedingten Unterbrechungen abgesehen, bis an sein Lebensende. Die Stadt wurde seine Wahlheimat, hier fand er, im Kreis von Gleichgesinnten, Resonanz und Zustimmung und eine große Schar von Freunden und Verehrern. Hier entstanden jene fünf Gedichtbände („Wir sanften Irren“, „In der Traumstadt“, „Dr. Enzian“, „Seelenwandertouren“ und „Flower Tales“), die seinen eigentlichen Ruhm ausmachten, Verse mit Anklängen an Morgenstern und Ringelnatz, aber trotzdem von eigener Prägung, zarte, filigranartige, gedanklich versponnene und verspielte Gebilde voll skurrilen Humors und von hohem poetischen Reiz.

Nach dem Krieg – an beiden mußte er teilnehmen, am ersten als Offizier, am zweiten, nachdem er sich den Unwillen des Dr. Goebbels zugezogen hatte, als gemeiner Mann – wurde PPA, der eigentlich Apotheker werden sollte und Schauspieler war, Dramaturg und Hörspielautor, 1961 mit dem Schwabinger Kunstpreis für Literatur ausgezeichnet, der Wiedererwecker Schwabings. Er gründete von kabarettistischem Geist durchdrungene Stammtischrunden, präsidierte der „Schwabinger Laterne“, dem „Monopteros“ und der „Seerose“, die heute noch im Nebenzimmer der gleichnamigen Wirtschaft am Englischen Garten echte malende und schreibende Schwabinger vereint.

Um dieses echte Schwabing ist es ihm immer gegangen. Mit harter Kritik fiel er über das Vergnügungsviertel her, das es heute geworden ist. Auch die aus seinen Gedichten entstandene „Traumstadt“, zu deren Bürgermeister er sich selbst ernannt hat, die „Bürgerversammlungen“ abhält und in der auch der wirkliche Münchner Oberbürgermeister Dr. Hans Jochen Vogel eine Funktion zugeteilt bekommen hat, ist seines Geistes Kind.

In den letzten sechs Jahren, von einer Krankheit niedergeworfen, die zum Teil auch wohl gewollt war, ein Protest gegen das lärmende Schwabing, verließ er seine Wohnung in der Trautenwolfstraße nicht mehr. Es war ein langer Abschied vom Leben, aber das Lächeln des Weisen blieb bis zuletzt auf seinem Gesicht. Er war schon zu seinen Lebzeiten durch diese Abgeschiedenheit, die nur bei Zusammenkünften seiner Getreuen seine Stimme auf Tonband unterbrach, zum Mythos Schwabings geworden.

Rolf Flügel