n seinem Gedichtband "Kunststucke" erläutert Peter Ruhmkorf die soziale Funktion auch der Lyrik, halt aber jede Art von "Aufbaupoesie" in der DDR, die den "Höhenflügen und Aufstiegstaten der neuen Gesellschaft nachzueifern sich bemuht", für fragwürdigen lyrischen Schund Ruhmkorfs poetische Konfession ist repräsentativ für die Haltung des "links" orientierten westlichen Schriftstellers, für den ein sinnvolles politisches Engagement nur in einem Nein bestehen kann Identifikation mit den Hauptinteressen einer Gesellschaftsordnung erschiene ihm als erster Schritt zum Eingeständnis poetischen Unvermögens Peter Weiss hat kurzlich dieser Auffassung mit seinen "zehn Arbeitspunkten eines Autors in der geteilten Welt" widersprochen- "Meine Arbeit kann erst fruchtbar werden, wenn sie in direkter Beziehung steht zu den Kräften, die für mich die positiven Kräfte dieser Welt bedeuten " Nicht anders versteht ein für "seinen" Staat argumentierende! DDR Schnftstellei seine Arbeit Die Qualität eines Gedichts oder eines Romans abei ist dann, auch m der DDR, weniger eine Frage des, Engagements" als eine Frage des Talents War es mehrere Jahre bei uns Gepflogenheit, m der DDR überhaupt nur schriftstellerisches Brachland zu sehen, so messen jetzt viele Kritiker den Rang eines DDR Schriftstellers an dem Umstand, ob er der SED genehm oder nicht genehm ibt Wenigstens m einer Gedichtzeile muß sich die Legende vom "Widerstandskampfer" belegen lassen Sabine Brandt zum Beispiel bemuht sich hartnackig, "zweierlei Literatur hinter der Mauer" lachzuweisen eine paiteigebundene, wenn auch zuweilen kritische" und eine, unabhängige, zum "eil oppositionelle" Literatui duife zwar "kom numstisch" sein, aber nidu "parteigelenkt" Volker Braun, dessen eister Gedichtband Volker Braun: "Provokation fm mäch"; Mitteldeutscher Verlag, Halle; 75 S, 4 50 DM jetzt vorliegt, gehört laut Sabine Brandt zu den Schöpf ein paiteitreuer Lynk, zu jenen jungen Leuten, die sich "freiwillig unter die SEDKuratel beugen" Brauns Verse wußten nichts on Melancholie und stiahlten blinden Optimisnus aus Formale Kunstfertigkeit mache seine Parteilichkeit nicht wett Was besagen solche Behauptungen eigentlich Daß Braun für den sozialistischen Staat plädiert uid foimal interessante Verse schreibt Ist das unvereinbar Volkei Biauns gesellschaftliches Engagement ist gewiß ehihch, es erschöpft sich nicht u kiampthafter Verseschrmederei oder launiger Sonntagskunst Der wilhelminische Schulterputz", mit dem sich einige DDR Lyriker noch immer "erfolgreich" schmucken, wird von ihm abgerissen In manchen seiner biillanten Schimpfg°dichte vermißt man allerdings gerade formale Strenge und Überlegenheit Das poetische Materal mußte gedanklich oft noch besser geordnet verden Die Starke dieses Lynkeis ist seine wortschopfti ISIJIP Diktun Li veiste t es, neue gesellschaftli he Impulse und Gedanken m ein Gedicht ein?ibiiner Hier wid Teulenil gegraben u rd stirntr Himmel der Deutschen wird da einmal wie ein Kuchen "angeschnitten" und dem Menscnen einverleibt Neuland und Neuhimmel sind nun Aktivposten einei Tugend, on der Denken und heiteie Stirnen vei langt weiden, denn "unDas zitieite Gedicht heißt, Kommt uns nicht mit Fertigem" Braun solidarisiert sich mit der Jtgend seines" Staates, ei spricht ihre Spiache ui d kennt ihre Probleme Er wendet sich direkt ar diese Jugend oder an altere Genossen, die mßtrauisch alle neun Tendenzen und Anstrengungen beobachten hncn rat er in einer "Mittelung an die reifeie Jugend" "Nein, die oder "unsere Vorsicht vor uns ist vergeblich wir Die Entschiedenheit, mit der Volker Braun solche Parolen verkündet, bleibt in diesem Fall rhetorisch, der Appell hat keine formalen Koroequenzen Das Lob auf den Staat, den Aufbiu der sozialistischen Ordnung und die Jugend ist zu pragmatisch formulieit In dem Gedicht "Schlacht bei Fehrbellm" sind die aggiessiven Fragen und die Rhetorik kom plZierter und m ihrer ganzen Widerspruchlichkeit daigestellt Hier entspricht die Gioße des Gedichts der Große der Herausforderung, der provozierende Ton hat gie chei maßen histonsche und poetische Substanz "Habt ihr nichts hinzuaddressiert dieses zuversichtliche Schimpfgedicht an die Jugend der DDR, "die ihren Grips beim Wendet er seinen Zorn dann gelegentlich auch gegen mißliebige Eieignisse m Westdeutschland, dann simplifiziert er, und sein Vers wird holprig und steif.

In Gedichten wie dei "Moritat vom Wolfsburger Stemplet" bleibt Braun DDR befangen, er hat zuwenig pcrsonl ehe Li fahrungen und verlaßt sich leichtsinnig auf das Vokabular offizieller Leitartikel Auch in seiner Polemik gegen Enzensbergers "Landesspiache" gent er, mag er in einigen grundsätzlichen Punkten sogar recht haben, von ganz oberflächlichen Voraussetzungen aus Der DDR Leser, der Enzensbeiger nicht kennt, wird meinen, dieser Schnftsteller sei ein formaler Spinner mit dem intellektuellen Habitus eines Ernst Junger Dergleichen sollte sich Braun ersparen 1939 in Dresden geboren, hat Volker Braun nach dem Abitur als Tiefbauarbeiter und Betonrohrleger gearbeitet, dann Philosophie an der Karl Marx Umversitat m Leipzig studiert, jetzt arbeitet er als Assistent beim Berliner Ensemble, wo seine "Histone vom Kipper Paul Bauch" aufgeführt werden soll Auf das Stuck und weitere Gedichte dieses begabten Lyrikers darf man gespannt sein