Giacomo Puccini: „Tosca“; Callas, Bergonzi, Gobbi, Orchestre de la Société des Concerts du Conservatoire Paris, Leitung: Georges Prêtre; Electrola SMA 18 001/2, 39,– DM.

Im März prügelten sich die Wartenden vor der Kasse der Grand Opera in Paris um die letzten Karten; im April brachte Met-Direktor Bing denen, die drei Tage lang auf der Straße Schlange standen für eine Karte, heißen Tee; im Juli zählte das Gastspiel vor der britischen Königin zu den Sensationen in Covent Garden; Maria Callas als Tosca, Tito Gobbi als Scarpia. Keine Sensation ist die Schallplattenneuaufnahme dieses Ensembles von Puccinis „Tosca“, es sei denn, man wäre erstaunt über den niedrigen Preis. Im Kampf der Subskriptionen und Kassetten spielt der EMI-Konzern einen seiner bisher stärksten Trümpfe aus – er sticht nicht mehr ganz. Was für die Callas-„Carmen“ galt, gilt auch für ihre „Tosca“; Zu spüren ist, daß Maria Callas eine eindrucksvolle Tosca-Darstellerin sein muß, dramatisch, spontan, mit einer Fülle von Schattierungen zwischen Liebe und Eifersucht, geradezu enervierend in ihren Ausbrüchen. Leider verblaßt all dies auf einer nur auf das Akustische angewiesenen Platte zu einem kleinen Rest. Die Sängerin Callas war in ihrer früheren Aufnahme (unter De Sabata) besser, strahlender in der Höhe, weicher, leichter, flüssiger; der Timbre-Wechsel geschah gleitend, nicht abrupt wie jetzt. Härter auch erscheint mir Gobbis Scarpia dieser Rolle jedoch steht die Veränderung gut an. Bergonzis Cavaradossi zeigt Schmelz und Larmoyanz, auch schöne Linien und lange Fermaten, bravourös ist er nicht. Georges Prêtres Attacke zündet beim ersten Hören, später erscheint sie überhetzt, gewollt aggressiv. Insgesamt: eine mir zu vordergründig auf Effekte hin eingespielte Aufnahme.

H. J. H.