1 s geholt zu femei Witwenart, mit schönem — Lifei zu betonen, sie, die Hinterbliebene, habe das Werk ihres verstorbenen Mannes "gewissenrian" herausgegeben Warum wohl diese Defensive Ist sie etwa berechtigt 5 "Miß Mary" weiß es Als Hemingway im Sommer 1961 gestorben wai, widmete die Saturday Review ihm ein Sonderheft Darm war auch vom Nachlaß die Rede Der Verlag Charles Scnbners Sons, hieß es, habe von Hemingway zwei "vollendete Manuskupte", die vom Tiager des Nobelpreises zur Publikation "autorisiert" seien (Wenn man auch keine Sachen, sondern nur Personen autoiisieren kann, so ist doch der Sinn dieser Auskunft eindeutig ) Das eine berichte über Erlebnisse m den spanischen Stierkampfarenen wahrend der Saison im Jahre 1959 (einige Ausuge erschienen in der Zeitschrift Life) und trage den Titel "The Dangeious Summer" Das andere habe keinen Titel und beruhe auf Hemingways Erinnerungen an die zwanziger Jahre in Paris Carlos Baker, Autor des respektablen Buches , Hemingway The Wnter As Artist", schrieb m dieser Ausgabe der Saturday Review, Hemingway habe im Hospital von Rochester (Minnesota) die Arbeit noch einmal "Zeile für Zeile und Wort fui Woit" durchgesehen Hemingway kehlte in sein Haus nach Ketchum (Idaho) zurück, dort nahm er sich das Leben Seme letzte Mitteilung an Carlos Baker war die in einem Telegrsmm geäußerte Bitte, "eine Anekdote ubei Ezra Pound und einige andeie Kleinigkeiten aus dem Manuskript hei auszunehmen" Baker hat diesen Wunsch ei füllt Soweit ist alles korrekt Abei entspricht die im vergangenen Jahi erschienene Ausgabe der letzten Fassung Mary Hemingway, alleinige Eibin auch des literarischen Nachlasses ("real, personal, literary verstorbenen Mannes an einen Freund die Zeilen " you are lucky enoitgh to bctve lived in Paus Titel gefunden "A Moveeble Feast" Die Testamentsvollsticckerm ließ es jedoch damit nicht genug sein Sie nahm sich auch, wie sie im Frühjahr 1964 in einem Gesprach mit Eric Burger erwähnte, des Manuskriptes an Nicht daß sie auch nur ein einziges Wort geändert hatte 1 Verändert hat sie lediglich den Originaltext durch einige Kui Zungen Ob es wesentliche oder un wesentliche Eingriffe sind, wird erst untersucht werden können, wenn das Manuskript ngendemei Henngway Collection vermacht worden ist "Papa" hat die literarische Kunst des Weglassens großartig beherrscht Nun übt sich darin seine W twe Und das ist gar nicht groß artig Das ist nur ärgerlich Der Leser der amenkanischen Ausgabe (Er nest Hemingway "A Moveable feast", Charles Scnbners Sons, New York, 212 S, 4 95 Dollar) sowie der englischen Publikation (bei Jo nathan Cape, London, 191 S, 18 Shilling) hat nun wenigstens das Vergnügen, sich an dei Sprache Hemingways zu ergötzen Wir hingegen haben es auf uns zu nehmen, daß wir uns im Übeisetzerschatten des Meisters verkühlen Das mach r einen nicht gerade wohlgelaunt Nun wird es zwar langsam langweilig, wieder und wieder zu erklaren, dei uns von Annemarie HorschitzHois f orsestelltc Hemingway sei bloß dessen kleine Brudei, und wir wissen auch genau, daß der ehrenwerte Rowohlt Verlag an diesem Bild aus juristischen Gründen herzlich wenig koi igieren kann, aber was andeit das an dem leidigen Eindruck, entweder schreibe Hemingway wie Annemarie Horschitz Horst oder die literarische Dolmetscherin imitiere den Amerikaner Man lese Ernest Hemingway: "Paris — ein Fest fürs Leben", autorisierte Übersetzung aus dem Amerikanischen von Annemarie HorschitzHorst; Rowohlt Verlag, Reinbek; 252 S , 16 80 DM und höre: Ezra Pound gefielen stets die Werke semei Freunde, "whicb is beautiful äs loyality" — "was wunderbar loyal ist" Und im Herbst, wenn "it was very fme outside", dann war es wieder einmal "wunderbar" Das Biei schmeckt Hemingway weder beautiful noch fme, sondern Horst getreu bei "wunderbar" bleiben darf Früh schon ist Hemingway dahintergekommen, daß Simenon "fine books" geschrieben hat — ach, sie sind "wunderbar" Und dann die große Überraschung 1 Die "beautifully wntten" Erzählungen von Sherwood Anderson sind nicht etwa wunderbar geschrieben, sondern "wunderschon". Ist das nicht wunderbar Und all die sie nicht "wunderbar" Sie smds. Wunderbar 1Nicht daß nun einer meine, Annemai le Horschitz Horst beschranke sich auf solcherlei Ubersetzungswunder. Auch "hübsch" ist so hübsch, daß es sich m einem kurzen Satz gleich zweimal unterbringen laßt. Wenn sich der alte Hemingway anstrengt, die rechten Worte fui das Aussehen von Sylvia Beach zu finden, wenn er korrekt zwischen "fme forehead" und "pietty legs" unterscheidet — für uns sind, wie jeder weiß, vor allem "hübsche Beine" wichtig Und wenn die hübsch sind, ist auch die Stirne "hübsch", ganz klar Nicht ganz klar ist mir, warum die dreimal erwähnte "rue de Fleurus" stets in "rue Fleurts" übersetzt werden muß Vergessen habe ich offenbar, daß wir das Verbum "pflegen" viel mehr pflegen sollten Zwei Übungssatze "Zur Sonmerzeit pflegten wir, wenn alle Fenster offen standen, die Pumpen zu hören Und ch pflegte zu lesen, um nicht an meine Aibeit zu denken Aber Hemingway pflegte sich auch <nders abzulenken. Was er, der Schlimme, "müke lispelt "gaben uns der Liebe hm" Sollte hier etwa Ernst Wiechert zu Rate gezogen woicen sein Wem es jetzt noch Spaß macht, an den "besten Stellen" von Paus zu essen, ist weder ein Gourmet der Sprache noch ein akzeptablei Übersetzer Das m den Jahien 1957 bis 1960 geschiiebene Buch ist der verzweifelte, manchmal erschutten de Versuch, das Rad der Geschichte zuiuckzudrehsn, noch einmal das Paris nach dem Ersten Weltkrieg heraufzubeschwören, jene Zeit, "als wn sehr arm und sehr glücklich waren" An Tatsachen ist — selten — jene andere Wiikhchkeit, iie Kunst genannt wird, zu erkennen Hemingways Aimut, Hemingways Gluck sind zudem TaUachen, die seine Erinnerung völlig verklart habsn (Zum Vergleich hierzu lausche man auf die Konfessionen deutschet Partyspezialisten, die davon schwärmen, wie sie nach 1945 bedingungslos dem Abenteuer des Geistes gedient, für einen Kan en Brot, ihren letzten, eine Theaterkarte ei werben hatten ) Das wai die Paris Zeit, als das Leben, die Liebe, das Schreiben noch eine heri liehe SaJie waren, als die piachtige Sylvia Beach in ihrei Buchhandlung "Shakespeare & Company" den hungernden Hemingway kostenlos Literatur entdecken ließ, als man mit dem Maler Pascm, dei "standig betrunken, vorsätzlich betrunken, aber bei klarem Verstand" war, als kaum bekannter Schriftsteller ein Bier trinken konnte, als man Ezra Pound zum Freund hatte und ihm das Boxen beibrachte, und als man mit semei Hilfe T S. Eliot vom Göpel m einei englischen Bank befreite, damit er an den Dichtertisch komme. Mit Hieb und Stich wud Hemingways noble Kellnerwelt gegen die fiese Literatenwelt verteidigt, ein amüsantes Schauspiel Bei Begegnungen mit dem prachtigen Unikum Blaise Cendrars hat Hemingway "das staike Gefühl, daß Cendrars vielleicht ein bißchen weniger mit seinem fehlenden Arm hermachen sollte" Ford Madox Ford wird als nassauernder Prahlhans vorgestellt er atmete schwer durch seinen dichten, schmuddeligen Schnurrbart und hielt sich aufrecht wie ein wandelndes, gut gekleidetes, umgestülptes Faß Und der Freund F Scott Fitzgerald, der sich vor den Statuen im Louvre von Hemingway davon überzeugen laßt, daß sein Dingelchen keineswegs, wie Mrs Fitzgerald behauptet hatte, zu klein sei, wird in den Zuber atzender Ironie getaucht"Scott konnte sich sehr klar und deutlich ausdrucken und eine Geschichte gut erzählen Er brauchte die Wortei nicht zu buchstabieren noch zu versuchen, richtig zu mterpunktieren, und man hatte nicht wie beim Lesen seiner Briefe, ehe sie korrigiert waren, das Gefühl, einen Analphabeten vor sich zu haben Ich kannte ihn zwei Jahre lang, ehe er meinen Namen buchstabieren konnte, aber es war ja auch ein langer Name, und vielleicht wuide es mit der Zeit immer schwe rer, ihn zu buchstabieren, und ich zollte ihm große Anerkennung, weil er ihn schließlich nchtig buchstabieren konnte " Es versteht sich, daß auch Gertrude Stein, von der Hemingway etliches gelernt hat, ihr Fett abbekommt Sie redet "wirklich manchmal eine Menge Quatsch", will "nie die Wirklichkeit" erfahren und spricht über keinen Schriftsteller ein gutes Wort, dei nicht auch über sie gut geschrieben, ihre Kairiere gefordert hat — sagt Hemingway Er sagt auch — und das durfte eine Novität sein — wie Gertrude Stein zu dem unsinnigen Schlagwort von der "verloienen Generation" gekommen sei Sie habe sich über die mangelhafte Arbeit eines Mechanikers beschwert, der ihren Wagen reparieren sollte Daraufhin wies der patron der Garage den Angestellten zurecht und erklarte "Ihr seid alle eine generation den Satz gegenüber Hemingway — "alle, die im Krieg gewesen" seien, seien so — "Ihr habt vor nichts Respekt Ihr tunkt euch zu Tode " Tiefer kann der Begriffswert "generation pertion" nun nicht mehr sinken Hemingways Tatsachenberichte haben den Stil seines Buches "Die Sturmfluten des Frühlings" Hier wie doit das spurbare Bemuhen, aus dei melancholischen Stimmung den Ton der Burleske zu finden Hier wie dort drangt sich das Ich — mal vei letzt, mal übermütig — vor, eisucht Erlebtes, Erfahrenes zu reflektieren Das war niemals Hemingways Staike Abei wenn erinnerte Augenblicke auf ihre zeitlose Substanz leduziert, wenn nicht mehr die Funktionen, sondern allem die Dinge wichtig genommen werden, entstehen die klaren Satze dei reinen Atmosphaie Fluhlingsmorgen m Paus, die Stadt erwacht, Hemingway aibeitet schon, die Fenster semer Wohnung sind weit geöffnet "Die Geschäfte hatten noch die Rolladen vor Der Ziegenhirt kam die Stiaße herauf und blies auf einer Sackpfeife, und eine Frau, die ein Stockwerk über uns wohnte, kam mit einem großen Topf hinaus auf den Burgersteig Der Ziegenhut wählte eine der schwereutrigen schwarzen Milchziegen aus und melkte sie in den Topf, wahrend sein Hund die anderen hinauf auf den Burgei steig drängte Die Ziegen blickten umher und drehten die Kopfe wie Touristen Der Ziegenhirt nahm das Geld der Frau entgegen, bedankte sich und ging die Straße weiter hinauf und blies, und dei Hund tneb die Ziegen, deren Horner auf und ab schnellten, vorwärts Ich ging wiedei an die Arbeit, und die Flau kam mit der Ziegenmilch die Treppe herauf Sie tiug ihre Hausschuhe 11111- den Filzsohlen, und ich horte sie nui atmen, als sie auf den Stufen vor unserer Tür stehenblieb, und dann das Schließen ihrer Tui Sie war die einzige Kundin für Ziegenmilch m unserem Hause " Das sind gute Hemingway Satze Es sind bedruckend wenige m diesem Buch Nicht Routine ist es, sondern mangelnde Kraft, die ihn zwingt, sich selber zu kopieien Die ihm eigene Genauigkeit erreicht nichts, wenn Lapidares überbetont wud Das Eigebms ist nackte Banalität "Ls waien vorübergehende Schauer, und einige dauerten langer als andere Private Mitteilungen stöckeln wie Platitüden daher, wenn vom Herbst die Rede ist und an einem Ort konnte man besser darubei schreiben als an einem anderen Es mag sein, daß viele von uns Hemingway zu ruckhaltlos verehrt haben Er wai mehr für uns als ein Schiiftstellei, der eine Menge "wahre Satze" schieiben konnte Er wai ein Mann, dei uns zu zeigen verstand, wie sich das Chaos der Welt durch eine selbstgeschaffene Oidnung, duich stienge Disziplin und einen festen Kodex, durch sauberes Handwerk (als Voraussetzung zum "Gluck) und I airneß ertragen laßt Und deshalb hat uns sein Tocl sehr weh getan So sagen wu m Ehrfuicht Dieses Buch hat uns bitter enttauscht "Erinnern ist Hungei" hat Hemingway geschrieben Wahrscheinlich hat ei in seinen letzten Jahren den Hunger nicht mehr stillen können, weil die Erimieiung an Zeiten, da er sich korpeilich und psychisch fit fühlte, zu übermächtig geworden war Ei wußte, "daß alles Gute und Schlechte, wenn es aufhört, eine Leere hinterließ Aber wenn es schlecht war, füllte sich die Leere von selbst Wenn es gut gewesen wai, konnte man sie nur füllen, indem man etwas Besseres fand" Li hatte so ie1 Gutes eilebt, geschrieben, daß es immei schwieriger wurde, "Besseies" zu finden Die in den frühen zwanzigei Jahien selbst gestellte moralische Aufgabe war gelost Er hatte getan, was zu tun gewesen wai Nun war ei , Am Finde von Ftwas" seinem Leben Fr "wußte Bescheid" und griff zur Waffe