Er hatte alles, um ein Playboy zu werden: Geld, einen Namen, gute Beziehungen und viel Charme, aber er ist es nicht geworden. Henri François-Poncet, Sohn des ehemaligen französischen Botschafters in der Weimarer Republik, im Dritten Reich und später in der Bundesrepublik, repräsentiert, ebenso wie früher sein Vater, heute sein Land in der Bundesrepublik, wenn auch auf andere Weise. Dreizehn Jahre lang bemühte sich der Vater um Verständigung zwischen den beiden Ländern; der Sohn folgt dieser Tradition. Allerdings kümmert er sich weniger um die Politik als vielmehr um gute wirtschaftliche Beziehungen.

Seine erste Begegnung mit Deutschland hatte er schon in jungen Jahren. Er war gerade acht, als sein Vater 1931 als Botschafter Frankreichs nach Berlin entsandt wurde. In diesen noch ruhigen Jahren, bevor der „Boche über die Deutschen siegte“, bestand der Diplomat alter Schule darauf, daß seine Kinder deutsch lernen sollten. Schon früh wurde den Kindern die Notwendigkeit der deutsch-französischen Verständigung eingeimpft.

Das Resultat dieser ungewöhnlichen Erziehung ist nicht nur die völlige Beherrschung der deutschen Sprache, nuanciert durch einen leichten melodischen Akzent, den man nicht unbedingt als „französisch“ bezeichnen kann denn viel mehr als „Henri-François-Poncet-Akzent“. Er hat die Deutschen – aus kritischer Distanz – auch schätzen gelernt. Und seine Kritik – mit viel Courtoisie verbrämt – ist verständnisvoll und nie bösartig.

Aber es hielt ihn nicht lange in seiner Heimat, Deutschland übte auf den jungen Mann eine große Anziehungskraft aus. Joseph Müller, Vizepräsident und Justizminister des Landes Bayern, den er durch Zufall in Paris traf, verwandte sich für Henri und fand für den Sohn des Botschafters bei der Firma Pankhofer (Jopa-Eis) eine Anstellung als Volontär. Zwei Jahre kümmerte er sich um Vertriebsorganisation und Produktionsfragen. Seinen nächsten Job fand Henri François-Poncet bei der Internationalen Treuhand- und Verwaltungsgesellschaft, München, die großen deutschen Unternehmen half, im Ausland neue Verbindungen anzuknüpfen. Er leitete dort die Abteilung für Auslands-Beziehungen.

Vier Jahre lang lernte er dort seinen zukünftigen Beruf. Dann wagte er die Gründung einer eigenen Firma. Der erste Name dieser Gesellschaft, International Trading Society (ITS), klang zu hochtrabend und wurde schnell in Sociéte pour la Promotion des Echanges Economiques Franco-Allemands, Gesellschaft zur Förderung des deutsch-französischen Wirtschaftsaustausches mbH, (Sopefa), umgewandelt.

Es sind klingende Namen, die Henri François-Poncet ständig oder gelegentlich in Frankreich vertritt: Josef Neckermann O. E. Flick, Harald Quandt, Otto Wolff von Amerungen, Hans Gerling. Aus den Geschäftsverbindungen entstanden persönliche Freundschaften. Axel Springer, der François-Poncet oft zu Rate zieht, gehört zu seinen Duzfreunden. Der Hamburger Pnssezar ist auch Patenonkel der sechsjährigen Tochter Virginie. Rudolf Oetker machte Henri zum Generalrepräsentanten seines Konzerns in Frankreich. Ein Jahr lang – 1963 – hat Francois-Poncet für Krupp Beziehungen in Frankreich angeknüpft und zusammen mit Berthold Beltz die Gründung einer französischen Tochtergesellschaft, der Krupp-Dollberg France, vorbereitet.

Seine Beziehungen und seine gesellschaftliche Gewandtheit haben ihm in Frankreich viele Türen geöffnet. Seine Heirat mit Franchise Hottinguer, der Tochter des Hausbankiers von Schneider le Creusot, einem der größten französischen Konzerne, brachte neue Verbindungen. Durch seinen Bruder Bernard, Leiter der amerikanischen Privatbank Wertheim in Paris, komplettierte er seine Kontakte zur haute finance.