Seit wann spielen die Menschen? Eine rhetorische Frage: schon unsere Stammeltern spielten im Paradies „Verstecken“. Wem dies als blasphemisches Aperçu erscheint, möge bedenken, daß die beiden nicht so dumm waren, zu hoffen, Gott würde sie nicht entdecken. Drum muß es ein Spiel gewesen sein, wenn auch ein todernstes.

Doch ich will mich aus Johan Huizingas Nähe („Homo Ludens“, rde 21), in die ich mich da begeben habe, wieder entfernen, denn es geht ja nur darum, einmal vorzustellen, was die Leute früher so alles gespielt haben. Ein Verlag hatte nämlich den glücklichen Einfall, das XXII. Kapitel des „Gargantua“ von François Rabelais auszuschlachten. Dies beginnt: „Mit Mühe und Not leierte Gargantua ein kurzes Dankgebet herunter, wusch sich die Hände mit frischem Wein, stocherte mit einem Schweinsfuß in den Zähnen und plauderte gemütlich mit seinem Gesinde. Dann, wurde der grüne Teppich auf den Tisch gelegt, und eine Menge Karten, Würfel und Brettspiele wurden gebracht. Da spielte er...“

Und er spielte nicht weniger als zweihundertundsiebenzehn Spiele hintereinander: wahrhaftig ein Falstaff von Spieler! Arnold Isler versuchte nun herauszufinden, wie diese Spiele vor sich gegangen sein mochten. Bei etwa hundert ist ihm das gelungen. Einen Teil davon kennen wir noch heute. Es sind sogar einige darunter, die man kaum im sechzehnten Jahrhundert ansiedeln würde, beispielshalber Minigolf, den vorletzten Modeschrei. Natürlich wird der Leser auch mit Spielen bekannt, die sich beim besten Willen heute nicht mehr praktizieren lassen, wie „quillemin baille my ma lance“ und „pet en quelle“ – es sei denn von Veranstaltern von Happenings. Zimperlich waren die Leute damals jedenfalls nicht. Für jene, die wissen wollen, wie:

„Von den Spielern des Gargantua“, bei René Simmen, Verleger und Kartenmacher, Zürich; Paperback-Klappband mit farbigem Spielplan, 70 Seiten, 12,80 Franken.

Der beigegebene hübsche Spielplan ist für das „Jeux a passe dix“, den Großvater des Roulette, mit Würfeln zu spielen. Nikolaus Schwalbe, dessen prallen Illustrationen man auch im Büchlein die Farbe gegönnt hätte, ist auch der „Verfasser“ und Illustrator von „Faxlibutz“ (ZEIT Nr. 10/65). Da nennt er sich jedoch Theodor Hanns Gygax.

Nach dem Studium des Werkchens neigt man zu der Meinung, früher habe es mehr Spiele gegeben als heute. Das ist ein Irrtum: In seiner sechsten Auflage erscheint derzeit ein Werk, das allen Leuten empfohlen sei, die, auf welche Weise auch immer, sich genötigt oder beflissen fühlen, andere zu unterhalten. Zwar gibt es für sie bereits das „Spielbuch für Alle“ (4,80 Mark), auf jeder Seite mit einem Photo, das per Blitzlicht eingefrorene Erwachsene bei der jeweiligen Heiterkeit zeigt, sowie „Spiel mit“ (2,40 Mark), fürs Freie, fürs Zimmer und – eine beachtenswerte Novität – fürs Auto, beide von Erwin Glonegger, dem Spiele-Lektor beim Otto-Maier-Verlag in Ravensburg, daselbst erschienen; zwei empfehlenswerte Kreationen für wenig Geld. Doch sie werden weit übertroffen von der:

„Schwalbacher Spielkartei“, Verlag Haus Schwalbach, Wiesbaden-Dotzheim; Karton mit 140 farbigen Karteikarten; 9,80 Mark.