Kapitel 19, Vers 19 der Apostelgeschichte... Die Düsseldorfer Angehörigen des evangelischen Jugendbundes für Entschiedenes Christentum lasen und diskutierten den Satz: „Viele aber, die da vorwitzige Kunst getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich und überrechneten, was sie wert waren, und fanden des Geldes fünfzigtausend Groschen.“ An diesem Abend lasen sie nicht weiter...

Wäre die Bücherverbrennung, die Goebbels einst veranstaltete, entschuldigt, wenn sich herausstellte, er hätte ebenfalls Kapitel 19, Vers 19 gelesen?

Vielen aufrechten Christen hat die Bücherverbrennung, welche die Entschiedenen Christen in Düsseldorf veranstalteten, schon deshalb nicht gefallen, weil sie unwillkürlich an die Goebbels’sche Aktion erinnert wurden. Aber Pastor Lohrmann, der Pfarrer des Jugendbundes, hält ihnen entgegen, es sei völlig unverständlich, wie man zwischen der Aktion der Jugendgruppe und den Buchverbrennungen im „Dritten Reich“ Verbindungen habe herstellen können ...

Nun freilich, es liegt eine ganze Generation zwischen denen, die damals, und denen, die heute Bücher verbrannten. Sollten die feuerfrohen Düsseldorfer aber wirklich keine Gelegenheit gehabt haben, Texte über die Geschichte des „Dritten Reiches“ zu lesen, so daß sie ganz unbekümmert waren, als sie auf Kapitel 19, Vers 19, zurückgriffen? Falls ja, so wäre es gut, wenn die Entschiedenen Christen nicht nur die Bibel läsen, sondern auch noch ein paar andere Bücher.

... überrechneten, was sie wert waren, und fanden des Geldes fünfzigtausend Groschen ... Es muß beim Lesen dieses Textes sich bei den jungen Leuten eine Groschen-Assoziation eingestellt haben. Denn zunächst waren es „Groschenhefte“, die sie zusammenbrachten und verbrannten. Doch wie das öffentliche Feuer so richtig loderte, schmissen jene, die da vorwitzige Kunst betrieben hatten, auch die „Blechtrommel“ in die Flammen.

Immer dieser Grass! Kommt jemand auf die Idee, vor der Haustür eines Autors Feuer anzulegen, geschieht dies ausgerechnet vor dem trauten Heim eben dieses Schriftstellers. So in Berlin passiert, während Grass seine „EsPeDe“-Werbung machte. Als ob es keine anderen Autoren gäbe, die man ebenfalls als Schöpfer „negativer Leitbilder“ hinstellen könnte! Und jetzt wird seinem Roman noch die Aufsehen erregende Ehre zuteil, verbrannt zu werden. Welch’ Glückskind, dieser Grass!

„Negative Leitbilder“ – dieser Ausdruck steht in einer Erklärung, die der Gesamtverband der Jugendbünde für Entschiedenes Christentum zu der Düsseldorfer Feuerszene herausgab. Das Ziel der Bücherverbrennung sei gewesen, auch anderen jungen Leuten zu zeigen, daß ein Leben in der Nachfolge Christi nicht unter der Übermacht von negativen Leitbildern stehen müsse, die teilweise in der heutigen Literatur dargestellt würden. „Soweit“, sagt die Erklärung, „unterstützen wir Motive und Ziele.“