Seit fast einem Jahr warten in einem Teheraner Gefängnis vier ehemalige Offiziere der iranischen Armee auf ihren Prozeß. Die vier waren nicht in ein Attentat auf den Schah verwickelt, sie nahmen an keiner Verschwörung gegen die Regierung teil. Ihr Delikt: Sie verteidigten vor einem ordentlichen Militärgericht in Teheran die Führer einer iranischen Freiheitsbewegung.

In den Protokollen der persischen Geheimpolizei, der Savak, die dem Militärstaatsanwalt von Teheran übergeben wurden und zur Verhaftung der vier Offiziere führten, wird minuziös verzeichnet, was die Offiziere während der Verhandlung, die sich über mehr als 50 Sitzungen erstreckte, in ihren Plädoyers erklärt haben. Aus jedem Einspruch, den die Verteidiger zugunsten ihrer Klienten eingelegt haben, versucht man ihnen jetzt einen Strick zu drehen. Sie sollen als Mitschuldige an den Delikten ihrer Klienten abgestempelt werden.

Dem ehemaligen General Ali-asghor Massoudi wird vorgeworfen, daß er, unter Berufung auf die Menschenrechte, wie sie in der Französischen Revolution postuliert wurden, auch das Recht auf Freiheit zitiert und unter anderem erklärt habe: „Es ist notwendig, sich für kurze Zeit die unfairen Praktiken der Regierung gegenüber den Minoritäten in Erinnerung zu rufen.“

Daß der ehemalige Oberst Azizollah Amirrahimi seine Klienten verteidigte, ohne ein Honorar zu verlangen, genügte der persischen Geheimpolizei für die Schlußfolgerung, daß der Oberst ein Mitverschwörer sei. Und daß der dritte Verteidiger, der ehemalige Oberst Aliakbar Ghaffari, erklärte: „Ich bin stolz, die Angeklagten verteidigen zu dürfen“, gilt ebenso als Indiz für eine aufsässige Haltung wider die Staatsautorität.

Am 16. Dezember vergangenen Jahres verfaßten die vier Offiziere einen Brief und schickten ihn an General Khosravani, den Chef der Anklagebehörde der iranischen Armee. In diesem Schreiben wiesen sie auf das Recht eines Verteidigers hin, die Verteidigung so zu führen, wie Gesetz und Gewissen es befehlen – gleichgültig ob es sich um ein politisches oder ein gewöhnlich kriminelles Verfahren handelt. Seitdem warten die vier auf eine Antwort.

Dr. Hajo Wandschneider, Hamburger Rechtsanwalt, Mitarbeiter der deutschen Sektion von Amnesty International, einer Organisation, die sich für politische Gefangene in Ost und West einsetzt – Carola Stern berichtete in ihrem Artikel über diese Organisation –, besuchte vor einigen Wochen Teheran, um sich dort über die persische Gerichtspraxis zu unterrichten.

Dr. Wandschneider reiste nicht wegen der vier Offiziere nach Teheran, er erfuhr erst dort von ihnen, als ihm deren Freunde Auszüge aus den Protokollen der Geheimpolizei übergaben. Anlaß seiner Reise war der Prozeß gegen vierzehn Studenten, von denen einige in das Attentat, das am 10. April auf den Schah verübt wurde, verwickelt sein sollen. Dr. Wandschneider, der in Teheran mit dem Informationsminister, mit höheren Beamten, mit den Angehörigen der verhafteten Studenten diesen Fall besprach, ist der Überzeugung, daß in einigen Fällen die Studenten im Gefängnis schwer mißhandelt wurden.

Mittlerweile hat der Prozeß begonnen. Gegen vier Studenten ist bereits die Todesstrafe beantragt worden, die iranische Botschaft in London hat sich erst auf ein Protesttelegramm der „Amnesty International“ hin bereit erklärt, einen Beobachter dieser Organisation, der an dem Prozeß teilnehmen soll, das Visum zu erteilen. Mr. Louis Blom Cooper, der als Prozeßbeobachter schon einige politische Verfahren in Südafrika kennt, hofft, den Prozeß in Teheran noch vor Urteilsverkündung zu erreichen. H. K.