Von Siegfried Schmidt-Joos

Rund vierhundertfünfzig Bands hatten sich angemeldet, zwanzig durften spielen. Im elften Jahr seines Bestehens gab sich das Deutsche Amateur Jazz Festival, das kürzlich in zwei Mammutkonzerten über die Bühne der Rheinhalle in Düsseldorf ging, international. Zum erstenmal begegnete die in sechs Vorentscheidungen in Bremen, Bochum, Nürnberg, Hamburg, Berlin, Stuttgart und Neuss sorgfältig ermittelte Elite des deutschen Hobby-Jazz ausländischer Konkurrenz. Sie zeigte sich, sagen wir dies gleich heraus, den neuen Proportionen durchaus gewachsen.

Aufgabe des Amateurjazz sei es, verriet das Programmheft, „die vom Jazz im Verlauf seiner Entwicklung erreichten Stationen zu markieren und die jeweils entwickelten Musizierweisen zu bewahren“. Aber so ganz wird diese Definition dem vielstimmigen internationalen Programm dieses Festivals nicht mehr gerecht.

Traditionelles bot sich auch diesmal in reichem Maße, gewiß. Dixieland erfreut sich bei Engländern und Dänen, Tschechen und Deutschen immer noch großer Beliebtheit, und man freut sich, feststellen zu können, daß hier die Soli nuancenreicher, die rhythmischen Spiele subtiler geworden sind. Die Storyville Jazzband aus Berlin etwa servierte einen handfest-swingenden Basie-Beat, dem ein Preis für die beste Rhythmusgruppe sicher gewesen wäre, hätte man eine solche Prämiierung vorgesehen gehabt.

Auch die herkömmlichen Formen des modernen Jazz werden in Amateurkreisen nach wie vor zelebriert. Charlie Parkers und Thelonious Monks Bebop, aber auch der Cool Jazz von Stan Getz dienen Ensembles aus Münster, Wiesbaden und Berlin als Wegweiser, wobei auffällt, daß Modern Jazz solcher Prägung viel schneller der Langeweile und dem Klischee verfällt als der unbefangen-ungestüme Oldtime. Für das Gesamtbild des Festivals spielten die etwas blasseren Abbilder von bereits Historie gewordenen Jazz-Größen nur eine sekundäre Rolle.

„Free Jazz“ heißt die neue Devise, der sich die wagemutigeren Gruppen verschreiben: Avantgardejazz von heute und morgen.

Leichthin werden da Harmoniefolge und Chorusaufbau über Bord geworfen, experimentiert man mit abenteuerlich schwierigen Metren, löst man den durchlaufenden Rhythmus zugunsten ständig wechselnder rhythmischer Muster auf in Accelerandi und Ritardandi.