Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

Man nehme: Möglichst viele Parkplätze, errichte in deren Nähe möglichst viele Einzelhandelsgeschäfte mit einem insgesamt möglichst vollständigen Angebot von Lebensmitteln und Gebrauchsgütern, dargeboten in möglichst vollständiger Konkurrenz – und fertig ist das Einkaufszentrum.

Dieses scheinbar einleuchtende Rezept ist jedoch eine Milchmädchenrechnung. Wenn nämlich die Preise nicht stimmen, die Ladengröße nicht, die Geschäftsführung nicht, die Ladenöffnungszeiten nicht; vor allem aber, wenn der Standort nicht stimmt, dann kann eine noch so schön ausgedachte, mit großem Kapitalaufwand in Szene gesetzte Idee Schiffbruch erleiden.

Knapp an einem solchen Schicksal vorbei segelt jetzt die mit einem Aufwand von annähernd 30 Millionen Mark im Kölner Stadtzentrum errichtete, vor genau einem Jahr mit großem Werbeaufwand eröffnete Schweizer Ladenstadt.

Dabei fing alles so gut an. 4711-Chef Mülhens stellte in einem Erbbauvertrag dicht am Kölner Dom 6900 Quadratmeter Boden zur Verfügung; 150 000 Kubikmeter Raum wurden umgebaut und damit 32 000 Quadratmeter Nutzfläche geschaffen. Annähernd siebzig Einzelhandelsgeschäfte verschiedensten Genres – vom Kleintierhändler bis zum Brautkleidspezialisten – zogen hier ein und harrten der Käufermenge. Ganz nach amerikanischem Muster gab es auch wegweisende Hostessen, einen Kindergarten, ein Konzertcafé, einen Friseur, das „Theater am Dom“, das in gotischem Stil neu errichtete und in den zweistöckigen Gesamttrakt baulich eingefügte 4711-Haus, ein Parkhaus mit 600 Stellplätzen.

Während aber die Kölner Innenstadt Werktag für Werktag zu den belebtesten Citys Deutschlands gehört, blieben in der Lederstadt die Käufermassen aus.

Hauptfehler der Ladenstadt in Köln AG, deren Kapital überwiegend in den Händen der Zürcher Finanzierungsgesellschaft IBZ Finanz AG liegt, war wohl eine falsche Standortwahl. Trotz der Lage am Rande der City und in Domnähe liegt die Ladenstadt nicht im unmittelbaren Auffangbereich genügend großer Kundenmengen. Unterwegs zum Einkaufen in der Stadt strömen zu viele potentielle Käufer beim Innenstadtbummel zunächst anderen Einkaufsdorados entgegen. Zu viele Käufer bleiben entweder auf der Hohen Straße, die schon zu Zeiten der Römer Einkaufsstraße gewesen sein soll, zu viele verschwinden in den zahlreichen, zumeist preisgünstigen Großläden an der Schildergasse, die vielleicht Ladenstadtkonkurrenz Nummer eins ist.