Die Investitionen in Westberlin werden in diesem Jahr ihren höchsten Stand seit Kriegsende erreichen. Nach vorsichtigen Schätzungen werden sie voraussichtlich die Vorjahreszahlen um 15 Prozent oder rund 500 Millionen Mark überschreiten. Alles in allem eine erfreuliche Nachricht, die von dem Lebenswillen der Berliner Wirtschaft zeugt; erfreulich besonders deshalb, weil die Investitionen nach dem Bau der Mauer stagnierten und erst im vergangenen Jahr wieder eine zaghafte Aufwärtsentwicklung zeigten.

Trotz der mannigfaltigen Steuervergünstigungen für Investitionen in Berlin, die nach dem Schock vom 13. August 1961 erheblich verbessert worden sind, haben die Unternehmer nur zögernd zugegriffen. Auch der Mangel an Arbeitskräften mag hemmend gewirkt haben, so daß vornehmlich Rationalisierungsinvestitionen vorgenommen wurden. Jetzt scheint man auch wieder an eine Expansion zu denken.

Diese Entwicklung ist eine Genugtuung für den scheidenden Berliner Wirtschaftssenator Karl Schiller, der sich in seiner Amtszeit stets dafür eingesetzt hatte, die unternehmerischen Entschlüsse nicht nur vom Arbeitsmarkt beeinflussen zu lassen, sondern umgekehrt mit dem Ausbau der Kapazitäten auch den Arbeitsmarkt zu stimulieren. Nur wenn man mitspielt, kann sich der Einsatz lohnen. wp