Italiens Staatspräsident Saragat war zu Gast in Polen. Dort verteidigte er die Bundesrepublik gegen den Vorwurf des „Revanchismus“. Er sagte in Auschwitz: „Wir würden die Bedeutung von Auschwitz abschwächen, wenn wir den Nazismus mit dem deutschen Volk gleichstellen würden. Eine derart törichte Vereinfachung liegt uns fern. Die moralische, politische und historische Verantwortung tragen die Einzelpersonen, die das Menschenrecht verletzt, jene monströsen Idole geschaffen und, im Zeichen absurder Mythen des Blutes und der Rasse, ihr eigenes Volk betrogen haben, als sie Zerstörung und Mord zu den besetzten Völkern trugen.“

Wer wie Saragat in jenen Jahren verfolgt wurde, wer die Verbrennungsöfen, die Hungerbunker und die Berge mit den Kleidern der Ermordeten in Auschwitz sah, könnte schweigen, und niemand dürfte ihm dies vorwerfen. Um so erstaunlicher dieses noble Wort. Und um so mehr gebührt Saragat Dank. Er, der Italiener, hat sich um die Verständigung zwischen Polen und Deutschland verdient gemacht. D. St.